DIE TAUFVORBEREITUNG IN DER ANTIKE
Die Geschichte des Taufsakramentes in frühchristlichen Spuren

Dr. Alessandro Bertolino, der Verfasser dieses Artikels, ein junger Archäologe, arbeitet als Führer in den Kallixtus-Katakomben. Er stellt hier den langen Vorbereitungsweg zukünftiger Christen vor, den diese bis zu ihrer Aufnahme in die kirchliche Gemeinschaft durch die Taufe gehen mussten: Aufnahme in das Verzeichnis der Taufbewerber (Katechumenen), die verschiedenen Phasen der religiösen Unterweisung, Zulassung zur Taufe. Des weiteren beschreibt er die damals gebräuchliche Methode der Katechese (Glaubensunterweisung) sowie die Riten bei der Vorbereitung und der Spendung des Taufsakraments anhand archäologischer Zeugnisse in alten Baptisterien (Taufkirchen) und Grabinschriften. Eine Auswahl an Literatur ist angefügt.

1.      DAS KATECHUMENAT

Bereits gegen Ende des 2. Jhdts. gibt es die Vorbereitungszeit auf die Taufe mit einer entsprechenden Hinführung auf den Sakramentenempfang als feste Einrichtung. Durch eine sehr gezielte Unterweisung wurden diejenigen ausgebildet, die Christen werden wollten, und in dieser Vorbereitungszeit wurden sie Katechumenen – Taufschüler – genannt.
Das Katechumenat [1] begann damit, dass der Kandidat sich den Katecheten vorstellte und sich in die von den Diakonen geführten Bewerberliste eintragen ließ. Dieser Akt der Registrierung sah vor, dass der Kandidat von einigen Gläubigen begleitet wurde, die seine Rechtschaffenheit und sein echtes Interesse am christlichen Glauben bezeugten. Daraus ergibt sich, dass der Taufbewerber diesen ersten Schritt nicht allein vollzog, sondern mit und in Gegenwart von Zeugen als Vertretern der Gemeinde; später wurden diese Zeugen „Paten“ genannt. Augustinus schreibt über ihre Aufgabe:

„Um möglichst sicher sein zu können, dass der Kandidat in der rechten Verfassung ist, ist es sehr hilfreich, sich im Freundeskreis des Katechumenen darüber zu informieren, und ebenso über die Gründe seiner Hinwendung zum Glauben“. [2]

Die Aufgabe des Paten ist hier also bereits festgelegt und macht die kirchliche Dimension deutlich, welche den Vorbereitungsweg des zukünftigen Katechumenen kennzeichnet. Nach der namentlichen Registrierung und der Vorstellung des Kandidaten erfolgte ein Examen über sein Leben, seinen Beruf und seine Beweggründe. In der häufig strengen Befragung wollte die Kirche sich vergewissern, dass die notwendigen Voraussetzungen für ein christliches Leben ohne Kompromisse mit heidnischen und unmoralischen Bräuchen gegeben waren. Ein Text aus dem 3. Jhdt., die Traditio Apostolica des Hippolyt führt z.B. Tätigkeiten auf, die mit dem Christsein unvereinbar seien:

„Man soll die Berufe und Tätigkeiten derer überprüfen, welche im Glauben unterrichtet werden sollen. Wer ein Freudenhaus betreibt, soll das aufgeben oder abgewiesen werden. Wenn einer Bildhauer oder Maler ist, trage man ihm auf, keine Götzenbilder darzustellen: er soll das aufgeben oder abgewiesen werden. Wenn einer Schauspieler ist, soll er das aufgeben oder abgewiesen werden… Wer als Wagenlenker Rennen fährt oder an den öffentlichen Spielen teilnimmt, soll das aufgeben oder abgewiesen werden. Gladiatoren oder Ausbilder von Gladiatoren sowie Ausrichter von Gladiatorenspielen sollen das aufgeben oder abgewiesen werden… Prostituierte, Unzüchtige, Sittenlose und alle anderen, die Dinge treiben, von denen zu reden sich nicht gehört, sollen abgewiesen werden, weil sie unrein sind. Magier sollen nicht zum Examen zugelassen werden. Zauberer, Astrologen, Wahrsager, Traumdeuter, Gaukler, Fälscher, Hersteller von Amuletten sollen das aufgeben oder abgewiesen werden… Wer eine Geliebte hat, gebe diese auf und nehme sich rechtmäßig eine Frau; wenn er das nicht will, soll er abgewiesen werden“. [3]

Wir können daraus ersehen, dass einige Berufe, die in irgendeiner Weise mit dem heidnischen Götterglauben verbunden waren, den Empfang der Taufe unmöglich machten. Die in den Quellen erscheinende unnachgiebige Haltung erklärt sich aus dem dringenden Bedürfnis der Christengemeinde, sich so weit wie eben möglich von den heidnischen Bräuchen der Umwelt zu distanzieren. Nach dem positiven Ausgang dieses Examens wurde der Katechumene bereits als Mitglied der Kirchengemeinde angesehen, und die Zeit der Glaubensunterweisung, deren Höhepunkt die Taufe war, diente seiner fortschreitenden Eingliederung in die Kirche.
Diese Vorbereitungszeit dauerte in der Regel drei Jahre; die Dauer der Katechese konnte jedoch in Ausnahmefällen verkürzt werden, wenn der Katechumene sie sehr gut und mit großem Eifer umsetzte. Die Taufbewerber kamen in der Vorbereitungszeit an bestimmten Orten zusammen und wurden in der christlichen Glaubenslehre unterrichtet. Die dafür eingesetzten Katecheten konnten Diakone oder Priester sein, aber auch sehr begabte Laien waren nicht von diesem Dienst ausgeschlossen. Das zeigt das Beispiel des Origenes, der im Auftrag des Bischofs von Alexandrien eine richtige Hochschule für Theologie und Bibelwissenschaften leitete. In den Vorbereitungsjahren konnten die Katechumenen bereits an den sonntäglichen liturgischen Versammlungen teilnehmen, wenn auch mit Einschränkungen: Sie hatten in der Kirche eigene, vom Rest der Gläubigen getrennte Plätze, nahmen nur am Wortgottesdienst teil und durften die Predigt hören, mussten sich aber dann entfernen und in einem vom Kirchengebäude getrennten Raum, dem Nartex warten. Das war eine rechteckige Halle, die quer zur Kirchenachse an der Gebäudefront lag.
Am Ende der Vorbereitungszeit vollzog der Katechumene sehr intensiv die vorösterliche Bußzeit mit, die mit der für die Osternacht vorgesehenen Taufe abschloss. Er wurde einem zweiten Examen unterzogen, in dem seine Haltung während der Ausbildungszeit geprüft wurde; dann wurde sein Name vom Bischof in das „Kirchenbuch“ eingetragen, und damit wurde der Taufbewerber ein electus, d.h. „erwählt“ für die Einschreibung unter die Bürger des himmlischen Jerusalem. An diesem Punkt bestand die gesamte vorösterliche Bußzeit – die Fastenzeit – für den Taufbewerber in der intensiven Teilnahme an Versammlungen, fast täglichem Glaubensunterricht, Gebetswachen und reinigendem Fasten. Johannes Chrysostomus, im 4. Jhdt. Bischof von Antiochien, schloss bei einer dieser Versammlungen vor der Taufe eine Ansprache an die electi seines Bistums sehr lyrisch:

„Ihr Erwählten, schon beginnt ihr, den Wohlgeruch des Glücks zu riechen. Schon sammelt ihr die mystischen Blumen, um daraus himmlische Kränze zu winden. In welcher Zeit der Freude und des Frohsinns wir doch leben! Es ist ja bereits das Ziel unseres Sehnens und unserer Liebe gekommen, die Tage der geistlichen Hochzeitsfeier“. [4]

Während der vorbereitenden Fastenzeit gab es einige Riten von besonderer symbolischer Bedeutung und Fülle. Dazu gehörte z.B. der Exorzismus, bei dem mit einigen Gebeten das Gesicht des Kandidaten angehaucht und seine Stirn gezeichnet wurde. Das zeigte an, dass dieser Mensch den Mächten des Bösen entrissen und immer enger mit Christus verbunden wurde. Von besonderer Bedeutung war die Überreichung des Glaubensbekenntnisses mit den wichtigsten Punkten des christlichen Glaubens. Dieses Bekenntnis wurde erklärt, damit die Katechumenen es verstehen konnten, und am Palmsonntag mussten sie es dann feierlich bei der Rückgabe des Glaubensbekenntnisses vor dem Bischof aufsagen. Am Ende der gesamten Vorbereitung stand der Ritus der Absage an den Teufel und das Bekenntnis zu Christus, der am Gründonnerstag oder in der Osternacht selbst vollzogen wurde. Nach Westen gewandt, wo die dunklen Mächte sind, wiedersagt der Taufbewerber seiner bisherigen Knechtschaft der Sünde, wendet sich dann nach Osten, wo sich das Paradies befindet und wo das Licht Christi aufleuchtet, und legt ein feierliches Bekenntnis seines Glaubens an den Dreifaltigen Gott ab.

2.      DIE METHODE DER GLAUBENSUNTERWEISUNG

Wie bereits erwähnt lag die katechetische Unterweisung in den Händen der Geistlichen oder gebildeter Laien. Glücklicherweise sind einige dieser Katechesen für Katechumenen oder Neugetaufte erhalten geblieben. Erwähnt seien davon die „Mystagogischen Katechesen“ des Cyrill von Jerusalem, „De mysteriis“ von Ambrosius und besonders „De catechizandibus rudibus“ von Augustinus. Letztere behandelt in heute noch gültiger Weise die katechetische Methodik und enthält viele Denkanstöße; Augustinus schrieb diese Abhandlung auf Bitten des entmutigten  Diakons Deogratias aus Karthago, der überzeugt war, seine Zuhörer mehr zu langweilen als ihren Glauben zu erhellen.

„Lieber Bruder Deogratias, du hast mich in deinem Brief gebeten, dir doch etwas zu schreiben, was dir bei den Katechesen nützlich sein könnte… Du hast fast immer Schwierigkeiten, eine geeignete Methode zu finden, wie du die Glaubenslehre darlegen kannst… Du sagst, dass es dir bei den langen und nervtötenden Versammlungen passiert, und du beklagst dich darüber, weil du dich vor dir selbst gedemütigt und von dir angeekelt fühlst, und weit davon entfernt, deine Zuhörer und die anderen Anwesenden zu belehren“. [5]

Augustinus gibt dann eine Reihe pädagogischer Ratschläge, damit die Katechese immer eingebettet ist in eine frohe Atmosphäre, die hilaritas, und damit die günstigsten Voraussetzungen gegeben sind, um sich auf die verschiedenen möglichen Zuhörer einzustellen. Er geht alle möglichen Situationen durch, die ein Katechet vorfinden kann, und macht Vorschläge zur Lösung von Problemen und Hindernissen bei den Katechumenen. Augustinus führt an, dass manchmal die Zuhörer die Worte des Katecheten nicht verstehen, und er zeigt auf, wie man behutsam die Herzen der Zuhörer erreichen kann. In anderen Situationen, erwähnt er, kann sich der Katechet gehemmt fühlen, ganz offen zu sprechen, aus Angst, die zuhörende Gemeinde zu verletzten oder anstößig zu sein, und er gibt Rat, wie dieses Risiko vermieden werden kann. Der Bischof aus Afrika weiß, dass die Zuhörer manchmal nicht reagieren und gleichgültig bleiben, er fordert deshalb den Katecheten auf, die Gedankenwelt seiner Zuhörer besser mit einzubeziehen. Es ist immer angebracht, sich auf den Typ des Zuhörers einzustellen, den man vor sich hat, und dabei das Geschlecht, die Personenzahl und den soziokulturellen Hintergrund zu berücksichtigen. Andere Schwierigkeiten für den Katecheten können in möglichen Ablenkungen bestehen, denen die Zuhörer ausgesetzt sind; deshalb sei es besser, den Katechumenen das Sitzen zu erlauben, damit sie nicht müde werden und ihre Gedanken dann weglaufen von den Worten des Lehrers. Augustinus schlägt vor, dass man sich immer dann kurz und bündig fasst, wenn man sieht, dass Müdigkeit auftritt:

„Kürzen wir unsere Vorlage, versprechen dabei das baldige Ende, und halten wir Wort“. [6]

3. TAUFE – FIRMUNG - EUCHARISTIE

Die christliche Taufe geht auf Christus selbst zurück: Sie wird in seinem Auftrag gespendet, und sie unterscheidet sich von anderen, bei den Juden gebräuchlichen Taufen. Sie hat keinen rein rituellen Charakter – denn dann wäre sie wiederholbar –, sondern ist, wenn sie einmal empfangen wurde, als Zeichen der Sündenvergebung und der neuen Geburt in Christus unwiederholbar.
Anhand der schriftlichen Quellen können wir den Taufritus rekonstruieren, wie er in der Antike vollzogen wurde. Normalerweise wurde der Katechumene nach der langen Zeit der Vorbereitung in der Osternacht vom Bischof getauft. Zunächst wurde der Kandidat mehrfach gesalbt, und nach der Absage an die Versuchungen der Welt und den Exorzismen folgten verschiedene Segnungen des Wassers. Schließlich tauchte der Katechumene dreimal in das Wasser ein oder wurde damit übergossen; damit verbunden stellte der Diakon die Fragen nach dem Bekenntnis des Glaubens, worauf der Katechumene mit „Ich glaube!“ antwortete. Die lange Zeremonie endete mit dem Friedenskuss, den die gesamte anwesende Gemeinde mit dem Neugetauften tauschte. In einigen Gemeinden wurden diese fundamentalen Riten etwas ausgeschmückt oder erweitert und führten so zu etwas unterschiedlichen Liturgien, die jedoch im Grundsatz einheitlich sind.
Mit dem Empfang der Taufe war der Katechumene voll in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. Man nannte ihn nun Neophyt (Neugetauft), und als solcher empfing er, mit der weißen Tunika als Zeichen des Neugeborenseins bekleidet, das Sakrament der Firmung, das ausschließlich vom Bischof gespendet wurde. Die Spendung bestand in der Bezeichnung mit dem Zeichen des Kreuzes auf die Stirn mit dem wohlriechenden Chrisam-Öl, und im Auflegen der Hände. Erst ab dem 5. Jhdt. kam in einigen gallischen Diözesen der Brauch auf, die Firmung als eigenes Sakrament zu spenden und nicht mehr zusammen mit der Taufe.
Die Eucharistie wurde dem Neophyten zum ersten Mal am Abschluss der Zeremonien gereicht, in denen der Katechumene den Schritt zum wahren Gläubigen vollzogen hatte. Nach dem Empfang der Taufe und der Firmung betrat er die Kirche, um erstmals in seinem Leben an der Messe teilnehmen zu können, in der er dann mit der ganzen Christengemeinde am eucharistischen Mahl teilnahm.

4. ARCHÄOLOGISCHE QUELLEN: DIE BAPTISTERIEN

Über die Existenz von Baptisterien (Taufkapellen) liegen aus der Zeit vor dem Religionsfrieden (Mailänder Edikt 313) so gut wie keine Informationen vor. [7] Einzige Ausnahme ist ein Privathaus in Dura Europos in Syrien, das auf den Beginn des 3. Jhdts. datiert wird, und in dem mit Sicherheit in einigen Räumen christliche Gottesdienste gefeiert wurden. Verschiedene Räume waren um einen offenen Hof angeordnet, in ihnen fanden die Eucharistiefeier und Gebetsversammlungen statt. Einer der Räume war ein Baptisterium: Er ist kleiner als die anderen, aber an den Wänden finden sich Malereien von beachtlicher Qualität. Die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament beziehen sich auf die geistliche Dimension der Taufe und befinden sich im Raumzentrum, einem flachen Becken für das Eintauchen der Katechumenen mit einem auf vier Säulen ruhenden Baldachin darüber; der Saal in der Nähe diente vielleicht der Spendung der Firmung.
Das Fehlen von Hinweisen auf Taufräume im Zeitraum 1. – 3. Jhdt. lässt vermuten, dass die Taufe in der Zeit dort gespendet wurde, wo es natürliche Voraussetzungen gab wie etwa bei Flüssen, Brunnen und Quellen, oder dass dazu bereits existierende Gebäude genutzt wurden, die zu Baptisterien umgeformt wurden, wie Baderäume, Brunnen oder Schwimmbäder. Erst ab dem 4. Jhdt. mit der Verkündigung der Religionsfreiheit durch Konstantin ist im gesamten römischen Reich die Entstehung und Verbreitung von Gebäuden festzustellen, die eigens für den Taufritus errichtet wurden.
Generell stand das Baptisterium bei der Kathedralbasilika (Bischofskirche). Es konnte aus nur einem Raum bestehen, aber auch aus mehreren, miteinander verbundenen, für die verschiedenen Riten und Phasen der Taufzeremonie bestimmten Räumen, deren Zweck im einzelnen nicht immer genau festzustellen ist. Ein monumentales und gut gegliedertes Beispiel für ein Baptisterium mit mehreren Räumen, deren Zweckbestimmung mit ziemlicher Sicherheit rekonstruiert werden konnte, wurde in Salona, Kroatien gefunden (s. Abb. 3, 4). Hier sind wir glücklicherweise in der Lage, Schritt für Schritt dem geistlichen Weg der Katechumenen zum Empfang der Sakramente zu folgen. Die Taufbewerber versammelten sich im Nartex außen an der Basilika, betraten durch einen Eingang (A) eine große Halle, das sog. Katechumenat (B), wo sie die letzten Glaubensunterweisungen erhielten und sich innerlich auf den Empfang des Sakraments einstellten. Von dort aus gingen sie durch einen Durchgang zwischen Kirche und Baptisterium in einen großen Wartesaal (C), auf den Wandbänken sitzend erwarteten sie dort den Augenblick der Zeremonie. Wenn sie an der Reihe waren, gingen sie durch den kleinen Umkleideraum (D), wo sie ihre Kleider ablegten, und betraten dann das achteckige Baptisterium (E) für den Exorzismus und das dreimalige Eintauchen in das kreuzförmige Taufbecken (F). Nach der Taufe gingen sie zu der kleinen Apsis mit dem Bischofssitz (G) zum Empfang der Firmung. Nach dem Anlegen der weißen Kleider verließen sie dann das Baptisterium wieder durch den Durchgang zur Basilika (H), um an der Eucharistiefeier teilzunehmen.
Bei den vielen anderen Ausgrabungen von Baptisterien ist es nicht immer möglich, den eindrucksvollen Weg der Katechumenen zu rekonstruieren; erwähnt sei nur die große Vielfalt architektonischer Typen mit manchmal auch mystischer Symbolik. Diese Symbolik wird noch durch die Mosaik-Dekorationen oder die Formen der Taufbecken unterstrichen. Sie sind mehr oder weniger tief, je nachdem, ob sie zum Eintauchen oder zum Übergießen mit dem Taufwasser dienten, und lassen manchmal die Anlagen für Zu- und Abfluss des Wassers erkennen. Manchmal sind sie quadratisch oder rechteckig und können an das Grab Christi erinnern, an die vier Weltteile, die vier Evangelien oder an das Tetragramm für Jahwe; kreuzförmig stehen sie allegorisch für den Erlösertod Jesu und spielen an auf den Tod für die Sünde, den der Neophyt gestorben ist; sechs- oder achteckige Taufbecken beziehen sich auf den Sprachgebrauch des Achten Tags des Jüngsten Gerichts und der endgültigen Auferstehung.

5. ARCHÄOLOGISCHE QUELLEN: DIE GRABINSCHRIFTEN

Auch die in den Katakomben oder Oberflächenfriedhöfen gefundenen Grabinschriften in lateinischer oder griechischer Sprache enthalten zu einem Teil Hinweise auf die Sakramente, besonders auf die Taufe. [8] Häufig wollten die Christen in ihren Grabinschriften an ihren Stand in der Kirche erinnern; um zum Ausdruck zu bringen, dass sie durch die Taufe die Vergebung ihrer Sünden erlangt hatten, benutzten sie in den ersten Jahrhunderten prägnante Formulierungen wie natus (geboren), renatus (wiedergeboren), luce renobatus (vom Licht erneuert), oder Wendungen wie gratiam accepit (hat die Gnade empfangen), seltener ausdrücklich bapdiatus (getauft). Oft kommt es vor, dass Christen darauf hinweisen, sie seien kurz vor dem Empfang der Taufe verstorben, und dann finden wir auf den Grabsteinen Bezeichnungen wie cathecumenus (Katechumene) oder candidatus in Christo (Kandidat für das Christsein); oder wenn der Christ erst kurz vor seinem Tod getauft wurde, erinnern die Inschriften an ihn als neophita (neugetauft) oder neophotistos ( gerade erst erleuchtet). Sehr aussagekräftig in dieser Beziehung ist die Grabinschrift für einen Jungen, der um die Mitte des 5. Jhdts. starb; sie erwähnt den Geburtstag, den Ostertag, an dem er die Taufe empfing, den Taufnamen und den Todestag am darauf folgenden Weißen Sonntag:

„Hier ruht Pascasius, mit dem Namen Severus geboren Donnerstag, 4. April … vor Ostern, er lebte sechs Jahre. Er empfing die Gnade (d.h. wurde getauft) am 21. April und legte sein weißes Taufgewand in das Grab am Oktavtag“. [9]

Das Sakrament der Firmung wird ebenfalls in den Grabinschriften erwähnt, wenn auch recht selten, und normalerweise mit der stereotypen Formulierung unctus est crismate (gesalbt mit Chrisam-Öl), oder auch consecratus est (wurde gefirmt). Ein Sarkophag in Spoleto erinnert an eine Frau namens Picentia Legitima, eine Neophytin, die von Papst Liberius (352 – 366) gefirmt wurde: Picentia Legitima consignata a Liberio Papa. [10] Ein sehr informativer Text über die Spendung der Sakramente findet sich auf dem vornehmen Sarkophag der Eheleute Flavius Julius Catervius und Septimia Severina, der in Tolentino gefunden wurde; hier werden nicht nur Taufe und Firmung erwähnt, sondern auch mit sehr poetischen und vom Glauben an die Auferstehung geprägten Worten das Sakrament der Ehe:

„Gott, der allmächtige Herr, der euch mit gleichen Verdiensten im süßen Band der Ehe einte, behüte euer Grab für immer. O Catervius, Severina ist glücklich darüber, sich mit dir verbunden zu haben: möget ihr gemeinsam auferstehen mit der Gnade Christi, o ihr Seligen, welche Probianus, Priester des Herrn, mit dem Wasser der Taufe wusch und mit dem heiligen Öl salbte“. [11]

Die Hinweise auf die Eucharistie sind in der christlichen Epigraphik nicht sehr häufig, haben aber vor allem wegen ihrer Glaubensaussage einen großen Wert. In der Basilika S. Lorenzo fuori le mura in Rom wurde eine Inschrift entdeckt, in der es heißt, dass verus in altari cruor est vinum (der Wein auf dem Altar ist wirkliches Blut) [12], ein ausdrücklicher Hinweis auf die Lehre der Transsubstantiation (Umwandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut Christi). Einige lange und komplexe Grabgedichte in griechischer Sprache erwähnen ebenfalls das eucharistische Sakrament. Das erste stammt aus Autun in Frankreich: Ein gewisser Pektorios, der das Grab für verstorbene Verwandte anlegte, griff die bekannte frühchristliche Christus-Symbolik des Fisches auf und verfasste ein lyrisches Loblied auf die Eucharistie:

„Empfange die honigsüße Nahrung des Erlösers der Heiligen, iss hungrig und halte den „Fisch“ in deinen Händen. Nähre mich denn vom Fisch, so bitte ich dich, o Herr und Erlöser; o Licht der Toten, ich flehe dich an, dass meine Mutter gut ruhe. Und du, o mein Vater Ascandius, der du meinem Herzen so lieb bist mit der geliebten Mutter und meinen Geschwistern, du, der du nun im Frieden des Fisches bist, gedenke deines Pektorios“. [13]

Ähnlich bedeutend ist die Grabinschrift des Abercius, Bischof in Phrygien im 2. Jhdt. Der Text erinnert an eine seiner Romreisen, an seinen Besuchseifer, und er enthält die selbe Symbolik wie die gerade erwähnte Inschrift.

„Christus entsandte mich nach Rom, damit ich den Königspalast betrachte… und überall tischte er mir als Speise Fisch aus den Quellen auf, sehr groß und rein, den die heilige Jungfrau nimmt und den Freunden reicht, damit sie immer davon essen und einen guten Wein haben, den er uns, mit Wasser gemischt, zusammen mit dem Brot darbot“. [14]

Der Sinn ist recht klar: Überall, wohin Abercius ging, wurde ihm der Fisch, also das göttliche Fleisch gegeben, das die Kirche den Gläubigen reicht, damit sie sich immer davon nähren. Und dieses göttliche Gastmahl beinhaltete die beiden eucharistischen Gestalten: mit Wasser gemischter Wein und Brot, Leib und Blut Christi. Mit diesem Zeugnis des Abercius schließt unser kurzer Überblick über das Katechumenat in der Kirche der ersten Jahrhunderte.
Die Inschrift erlaubt uns einen abschließenden Wunsch, wenn wir eine Parallele ziehen zwischen der Ankunft des von Christus nach Rom entsandten Abercius und unserem Weg als Christen, der uns, wenn auch im Abstand von Jahrhunderten, ebenfalls in diese Stadt führt, immer unter der Leitung des Göttlichen Meisters. Die Inschrift mahnt uns, ungeachtet aller Irrwege des Lebens beharrlich zu sein im Glauben, und durch die Kraft der Sakramente stark zu bleiben, die uns die Gemeinschaft der Kirche von Rom – damals wie heute – anbietet.


[1]   Bezüglich der Organisation des Katechumenates siehe vor allem: B.CAPELLE: L'introduction du catéchuménat à Rome à la fin du second siècle. In RTAM ( Recherches de théologie ancienne et médiévale – Louvain) 5, 1933, SS.129-154 ;
V.MONACHINO: La cura pastorale a Milano, Cartagine e Roma nel secolo IV. Roma 1947;
A.TURCK: Evangélisation et Catéchèse aux deux premiers siècles. Paris 1962 ;
G.KRETSCHMAR: Die Geschichte des Taufgottesdienstess in der alten Kirche. In Leìturgia, Handbuch des evangelischen Gottesdienstes, Kassel 1966;
P.RENTINCK: La cura pastorale in Antìochia nel IV secolo. Roma 1970;
V.MONACHINO: S. Ambrogio e la cura pastorale a Milano nel secolo IV. Milano 1973;
J.DANIELOU - R.DU CHARLAT: La catechesi nei primi secoli. Torino 1982;
G.FILORAMO - S.RODA: Cristianesimo e società antica. Bari 1992. 
Zu den schriftlichen Quellen siehe  AMBROSIUS : Des Sacrements.  Des Mystères.  Explication du Symbole. Text hrsg., übers. und m. Anmerkungen versehen von Bernard Botte in CS (CS= CSEL Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum)Paris 1961;
AUGUSTINUS: De Catechizandis rudibus. Lat. Text m. Übers. und Anmerkungen von Combés und Fragues in BA (Bibliotheca Augustiniana) Paris 1949 ;
CYRILL VON JERUSALEM: Catéchèse. Übers. von L.Bouvet, Namur 1962;
DIDACHE' :Instruction des Apôtres.  Herausg. und eingeleitet vonJ.P. Audet, Paris 1958;
GREGOR VON NYSSA  Discours catéchétiques. Text herausg., übersetzt und mit Anm. versehen von L.Meridier ín MD (La Maison Dieu), Paris 1908;
HIPPOLYT La Tradition Apostolique. Text herausg., übers. und m. Anm. versehen von B.Botte in SC (Sources Chrétiennes), Paris 1953;
TERTULLIAN  Traité du Baptéme. Lat. Text mit Übers. und Kommentar von R.F.Refoulé in SC, Paris 1952;.
[2] AUGUSTINUS De Catech. 9.
[3] Traditio 16.
[4] JOHANNES CHRYSOSTOMUS Catech.1.1.
[5]  AUGUSTINUS De Catech. 1.
[6] AUGUSTINUS De Catech. 19.
[7]   Bezüglich archäologischer Zeugnisse allgemein siehe P.TESTINI: Archeologia cristiana.Bari 1980;
Zu den Baptisterien siehe  A.KHATCHATRIAN: Les baptistères paléochretiens.Páris 1962;
B.GABRICEVIC: Piscine battesimali cruciformi scoperte recentemente in Dalmazia. In Akten des VII. Internationalen Kongresses für Christliche Archäologie. Città del Vaticano – Berlin 1969, S. 539 ff.
I. NIKOLAJEVIC: Les baptistères paléochretiens in Zbornik radova visantoloskog Instituta. 9, 1966 S. 223 ff.
Zur Ikonographie siehe A.MARTIMORT l’Iconographie des catacombes et la catéchèse antique. In Rivi«a di Archeologia Cristiana 25, 1949 SS. 105-114;
G.BELVEDERI: La catechesi di S.Pietro.Città Vaticano, 1950;
L.DE BRUYNE: L’initiation  chrétienne et ses effets dans l’art paléochretien. In VR 36, 1962 SS. 27-85.
[8]   Zu den Grabinschriften mit Bezug auf Sakramente und Katechumenat siehe  P.TESTINI: Archeologia cristiana. Bari 1980, SS. 416-428.
Außerdem C.CARLETTI: Iscrizioni cristiane a Roma.  Testimonianze di vita cristiana (secoli III-VII). Firenze, 1986 bes. SS. 85-102.
[9]   ILCV  ( Inscriptiones Latinae Christianae Veteres) 154 I.
[10] ILCV  965.
[11] ILCV 98 b.
[12]Nuovo Bullettino di Archeologia Cristiana. 1921 S. 106.
[13] Siehe M.GUARDUCCI: Nuove osservazioni sull'iscrizione eucaristica di Pektorios.  In Rendiconti della Pontificia Accademia Romana di Archeologia, 1947-49, S. 243 ff.
[14] Siehe A.FERRUA: Nuove osservazioni sull'epitaffío di Abercio. In Rivìsta di Archeologia Cristiana, 1943 S. 279;
A.FERRUA-D.BALBONI: Epitaphium Abercii. Fano 1953.


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