BEITRÄGE ZUR THEMATIK
DIE CHRISTENVERFOLGUNGEN
Teresio Bosco
Ein neuer und unheilbringender Aberglaube
Unter Kaiser Claudius (41 - 54 n.Chr.) bezieht der römische Staat ein erstes Mal Stellung gegen die Christen. Die Historiker Sueton und Dio Cassius berichten, dass Claudius die Juden vertreiben liess, weil es unter ihnen fortwährend Streit gab wegen eines gewissen Chrestos. <<Damit wären wir bei den ersten Reaktionen, welche die christliche Botschaft in der Gemeinde Roms hervorgerufen hat>>, kommentiert Karl Baus.
Der Geschichtsschreiber Gaius Suetonius Tranquillus (etwa 70 - 140), hoher Staatsbeamter unter den Kaisern Trajan und Hadrian, ein Mann von hoher Intelligenz und Berater des Kaisers, rechtfertigt diese und die weiteren Massnahmen des Staates gegen das Christentum mit einem schwerwiegenden Urteil: ein neuer und unheilbringender Aberglaube!
Als Aberglaube wird der christliche Glaube schnell in Verbindung gebracht mit Zauberei. Für die Römer entbehrt Zauberei, Magie jeder philosophischen Bildung und Grundlage, genauso wie die irrationalen Praktiken, die Zauberer und Hexen benutzen, um das unwissende Volk zu betrügen. Magie und Irrationales gegen die Vernunft, das Wissen des einfachen Volkes gegen die philosophische Bildung. Eine Anklage wegen Zauberei (wie auch wegen Wahnsinn) ist eine Waffe des römischen Staates, mit denen dieser neue und dubiose Gruppen in der Gesellschaft - wie das Christentum - brandmarkt und unterdrückt.
Mit dem Wort unheilbringend wird das unsinnige Vorurteil des Pöbels geweckt, der sich unter diesem Neuen (wie unter allem Neuen) irgendetwas vorstellt, was mit allen möglichen Untaten verbunden ist, und deswegen eben die Ursache sein muss für alle unerklärlichen Unheilsfälle wie Pest und Überschwemmung, Dürrekatastrofen und Barbareneinfälle.
Eine offene und zugleich abgeschlossene, argwöhnische Vielvölkergemeinschaft
Das römische Reich ist - und das zeigt sich besonders bei den Christenverfolgungen - ein grosses und offenes Gebilde, das jedes neue Volk in sich aufzunehmen bereit ist, das seine eigene Identität aufgibt. Aber zugleich ist das Reich auch eine abgeschlossene und argwöhnische Völkergemeinschaft. Vielvölkergemeinschaft bedeutet, dass das römische Reich ein aus unterschiedlichen Sprachen und Kulturen zusammengesetztes Gebilde ist, das sich aber gegen "die draussen" argwöhnisch verschliesst. Rom mit seiner gesellschaftlichen Organisationsform von freien Bürgern mit allen Rechten und rechtlosen Sklaven, mit reichen Patriziern und in Elend lebenden Plebejern, mit einem ausbeuterischen Zentrum und einer ausgebeuteten Periferie - dieses Rom ist überzeugt davon, dass es den Traum Alexanders d. Grossen verwirklicht hat: die Einheit der Menschheit, in der ein jeder Freie ein Weltbürger ist in einem Weltreich, das die "allgemeine Gemeinschaft", die oikumène umfasst, die gleichbedeutend ist mit der "menschlichen Zivilisation".
Wer draussen bleiben und die eigene Identität bewahren möchte, um keine Vermischung einzugehen, der schliesst sich von der menschlichen Zivilisation aus. Rom hat eine grosse Angst vor diesen "Ausländern", die sich unterscheiden und dadurch seine Sicherheit in Frage stellen könnten. Und wie Rom die "universale Eintracht" mit der eisernen Gewalt seiner Legionen errichtet hat, so beabsichtigt es auch, sie mit dem Schwert, durch Kreuzigungen, durch Verurteilung zu Zwangsarbeit und Exil aufrechtzuerhalten.
Mit einem Wort: Rom nutzt die "ethnische Säuberung" als Mittel zum Schutz des eigenen ruhigen Bewusstseins, die "zivilisierte Welt" zu sein.
Nero und die Christen aus der Sicht des Intellektuellen Tacitus
Im Jahr 64 verwüstete ein Brand zehn der 14 Stadtviertel Roms. Kaiser Nero, vom Volk als Brandstifter beschuldigt, schob die Schuld den Christen zu. So beginnt die erste grosse Verfolgung, die bis zum Jahr 68 dauert, und der - unter vielen anderen - die Apostel Petrus und Paulus zum Opfer fallen.
Der grosse Geschichtschreiber Tacitus Cornelius (54 - 120), Senator und Konsul, beschreibt dieses Ereignis, als er zur Zeit Trajans seine Annales verfasst. Er klagt zwar Nero an, die Christen fälschlich beschuldigt zu haben, zeigt sich aber davon überzeugt, dass diese die schwersten Strafen verdient hätten, weil sie aus ihrem Aberglauben heraus schändliche Dinge treiben würden. Tacitus teilt also das Mitleid, das manche angesichts der Folterqualen der Christen verspürten, nicht im geringsten und schreibt auf der bekannten Seite:
<<Um den Gerüchten in der Öffentlichkeit ein Ende zu setzen erfand Nero die Schuldigen und bürdete jenen ausgesuchteste Strafen auf, die vom Volk Christen genannt und von ihm wegen ihrer Schandtaten gehasst wurden. Ihr Name kommt von Christus, der unter der Regierung des Tiberius auf Befehl des Prokurators Pontius Pilatus zum Tod verurteilt worden war. Für den Augenblick zur Ruhe gebracht, brach dieser schlechte Aberglaube nicht nur in Judäa aus, dem Entstehungsort dieser Geissel, sondern auch in Rom, wo alles Schandbare und Abscheuliche zusammenkommt und guten Nährboden findet.
Als erste wurden diejenigen festgenommen, die sich offen zu diesem Glauben bekannten. Auf deren Angaben hin wurde eine grosse Menge von ihnen verhaftet, nicht so sehr wegen der Anklage der Brandstiftung, sondern weil man sie für hasserfüllt dem Menschengeschlecht gegenüber erachtete.
Diejenigen, die in den Tod gingen, wurden auch dem Spott ausgesetzt: in Pelze von wilden Tieren gehüllt starben sie von den Hunden zerfleischt, wurden gekreuzigt oder lebendig verbrannt, als die Sonne untergegangen war, wie Fackeln, die zur Erleuchtung der Finsternis dienten. Nero hatte seine Gärten für dieses Schauspiel zur Verfügung gestellt, während er Zirkusspiele verkündete und sich, als Wagenlenker gekleidet, unter das Volk mischte oder auf seinem Wagen stand.
Dennoch, so gerechtfertigt solche Todesstrafen auch gegen schuldige Menschen sind, die derart ausgesuchte Strafen verdienten, so erwuchs doch ihnen gegenüber ein Gefühl des Erbarmens, denn sie wurden nicht dem allgemeinen Wohl geopfert, sondern wegen der Grausamkeit des Fürsten>> (15, 44).
Also hielt auch Tacitus die Christen für verachtenswert und fähig, schreckliche Verbrechen zu begehen. Die schlimmsten Vergehen, die man ihnen unterstellte, waren einmal der rituelle Kindermord (als ob bei der Feier des Herrenmahles, bei dem man in der Eucharistie seinen Leib und sein Blut zu sich nahm, ein Kind geschlachtet und gegessen würde!), und der Inzest (eine klare Verkennung der bei der Eucharistiefeier "zwischen Brüdern und Schwestern" üblichen Umarmung zum Friedensgruss).
Diese aus dem Geschwätz des Strassenpöbels entstandenen Beschuldigungen wurden so durch die Autorität des Kaisers geahndet, der die Christen verfolgen liess und sie zum Tod verurteilte. Noch ein weiteres Verbrechen wurde von da an, so bezeugt es Tacitus, den Christen zur Last gelegt: der Hass gegen das Menschengeschlecht. Plinius der Jüngere schrieb ironisch, dass man mit einer derartigen Anschuldigung von nun an wohl jeden zum Tod verurteilen könne.
Der Gottlosigkeit angeklagt
Die Nachrichten über die Verfolgung, die im Jahr 89 über die Christen hereinbrach, sind sehr dürftig. Von besonderem Interesse ist eine vom griechischen Geschichtschreiber Dio Cassius, Prätor in Rom und Konsul, berichtete Information. Im Buch 67 seiner Römischen Geschichte erzählt er, dass der Konsul Flavius Clemens und seine Frau Domitilla unter Domitian wegen "Gottlosigkeit" angeklagt und verurteilt wurden, und mit ihnen viele andere, welche <<die jüdischen Gebräuche übernommen hatten>>.
In diesem Jahrhundert wird derjenige der Gottlosigkeit angeklagt, welcher die kaiserliche Majestät nicht als höchste Gottheit anerkennt. Domitian, hart und konsequent in seinem Bemühen um die Wiederherstellung der Zentralgewalt, forderte für seine Person als dem Mittelpunkt und Garanten der "menschlichen Zivilisation" höchste Verehrung.
Es ist bemerkenswert, dass ein Intellektueller wie Dio Cassius die Verweigerung des Kaiser-Kults als "Gottlosigkeit" bezeichnet. Das bedeutet, dass in Rom keine Vorstellung von einem Gott zugelassen war, die zur kaiserlichen Majestät im Widerspruch stand. Wer eine andere Gottesvorstellung vertrat, wurde als höchst gefährlich für die "menschliche Zivilisation" eliminiert.
Eine gesetzwidrige, aber im Grunde harmlose Vereinigung
Plinius der Jüngere, Gouverneur von Bitynien am Schwarzen Meer, schickte sich im Jahr 111 gerade an, von einer Inspektionsreise durch seine stark bevölkerte und reiche Provinz zurückzukehren, als ein Brand die Hauptstadt Nicomedien verwüstete. Vieles hätte gerettet werden können, wenn es eine Feuerwehr gegeben hätte. Plinius berichtet an Kaiser Trajan (98 - 117): <<Es ist Deine Sache, Herr, darüber zu befinden, ob es notwendig ist, eine Gruppe von 150 Feuerwehrleuten aufzustellen. Ich meinerseits werde darauf achten, dass eine solche Vereinigung ausschliesslich Feuerwehrmänner aufnimmt …>> In seiner Antwort lehnt Trajan den Vorschlag ab: <<Vergiss nicht, dass Deine Provinz Beute derartiger Vereinigungen ist. Wie sie auch heissen mögen, welche Zweckbestimmung wir auch Männern geben, die in einer Gruppe zusammengefasst sind - das wird in jedem Fall und sehr schnell hetaeriae entstehen lassen>>. Die Angst vor den hetaeriae, aus dem griechischen für Vereinigungen, war also stärker als die Angst vor Bränden.
Das Phänomen war schon alt. Die Vereinigungen jedweder Art, aus denen sich politische Gruppen bildeten, hatten Caesar bereits im Jahr 7 v.Chr. dazu veranlasst, alle Vereinigungen zu verbieten. <<Wer eine Vereinigung ohne besondere Erlaubnis gründet, ist den gleichen Strafen auszusetzen wie diejenigen, die mit bewaffneter Hand die öffentlichen Orte und die Tempel betreten>>. Das Gesetz war immer noch in Kraft, aber die Vereinigungen gediehen weiterhin. Von der Bootsleuten an der Seine bis zu den Ärzten von Avenches, von den Weinhändlern in Lyon bis zu den Trompetern von Lamesi nahmen solche Vereinigungen die Interessen ihrer Mitglieder wahr und setzten die Behörden unter Druck.
Plinius zögerte nicht, das gesetzliche Verbot der hetaeriae auf einen besonderen Fall anzuwenden, der ihm im Herbst 112 vorgelegt wurde. In Bitynien gab es sehr viele Christen. <<Sie sind eine grosse Menge jeden Alters und jeden Standes, weit verbreitet in den Städten, Dörfern und auf dem Land>>, schreibt Plinius an den Kaiser. Des weiteren berichtet er, er habe von den Herstellern relgiöser Amulette, die von den Christen gestört worden waren - diese hatten die Nutzlosigkeit solchen Plunders gepredigt - Anzeigen erhalten. Er hatte eine Art Untersuchungsprozess in Gang gesetzt, um die Tatsachen zu erfahren und dabei entdeckt, dass die Christen sich <<gewöhnlich an einem festgelegten Tag vor Sonnenaufgang treffen, einen Lobgesang an Christus wie an einen Gott richten, sich eidlich verpflichten, keine Verbrechen zu begehen, weder Diebstahl noch Raub noch Ehebruch, um nicht der an sie ergangenen Verheissung verlustig zu gehen. Auch haben sie die Gewohnheit, sich zum Mahl zu versammeln, wobei ihre Speise ungeachtet aller Gerüchte aus ganz gewöhnlicher und unschädlicher Nahrung besteht>>. Die Christen hatten ihre Versammlungen nicht aufgegeben, auch nicht nach dem Edikt des Gouverneurs, der damit das Verbot der hetaeriae bekräftigt hatte. In seinem Brief (10,96) berichtet Plinius weiter an den Kaiser, er sehe in all dem nichts Schlechtes. Aber die Weigerung, vor den Statuen des Kaisers Weihrauch und Wein zu opfern, scheint ihm eine gotteslästerliche Verhöhnung. Er hält die Halsstarrigkeit dieser Christen für <<unvernünftig und dumm>>.
Aus dem Brief des Plinius wird klar ersichtlich, dass man die absurden Anklagen wegen rituellen Kindermordes und wegen Inzests hatte fallen lassen. Es blieben die Anschuldigungen wegen <<Verweigerung des Kaiser-Kults>> (also Majestätsbeleidigung) und wegen Gründung von Vereinigungen.
Der Kaiser antwortet: <<Die Christen sollen nicht von Amts wegen verfolgt werden. Wenn sie jedoch angeklagt und für schuldig befunden werden, soll man sie verurteilen>>. Mit anderen Worten: Trajan ermutigt dazu, bei ihnen ein Auge zuzudrücken: sie sind eine harmlose Vereinigung wie die Bootsleute an der Seine oder die Weinhändler von Lyon. Aber da sie einem "unvernünftigen, dummen und fanatischen Aberglauben" anhägen (wie Plinius und andere Intelektuelle der damaligen Zeit wie z.B. Epiktet das Christentum beurteilen) und auch weiterhin den Kaiser-Kult ablehnen (also als "Fremde" dem bürgerlichen Leben gegenüber betrachtet werden), kann man nicht so tun, als ob nichts wäre. Wenn man sie anzeigt, werden sie verurteilt. Es gilt also weiterhin, wenn auch in weniger strenger Form, das <<Es ist nicht erlaubt, Christ zu sein>>. Opfer dieser Periode sind mit Sicherheit Simeon, der Bischof von Jerusalem, der im Alter von 120 Jahren gekreuzigt wurde, und Ignatius, der Bischof von Antiochia, der als römischer Bürger nach Rom gebracht und dort hingerichtet wurde. Die Kaiser Hadrian (117 - 138) und Antoninus Pius (138 - 161) wenden den Christen gegenüber ebenfalls diese Politik an.
Marc Aurel: das Christentum ist ein Wahnsinn
Marc Aurel (161 - 180), Kaiser und Philosoph, verbrachte 17 seiner 19 Regierungsjahre mit dem Führen von Kriegen. In seinen Erinnerungen, in denen er jeden Abend in seinem Militärzelt einige Gedanken "für sich selbst" aufnotierte, finden wir dem Christentum gegenüber eine grosse Geringschätzung. Er hielt diesen Glauben für einen Wahnsinn, weil er den einfachen und gewöhnlichen Menschen eine Lebensführung predigte (Bruderschaft aller Menschen, Verzeihung, Aufopferung für andere, ohne eine Belohnung zu erwarten), welche höchstens Philosophen - wie er - verstehen und nach langen Meditationen und nur mit viel Übung und Disziplin verwirklichen könnten.
In einem Erlass von 176/ 177 verbot er, dass fanatische Sektenanhänger durch die Einführung bisher unbekannter Kulte die Staatsreligion in Gefahr brächten. Die schon immer schwierige Situation der Christen verschärfte sich unter ihm.
Die vom Apostel Paulus in Kleinasien gegründeten blühenden Christengemeinden waren Tag und Nacht Räubereien und Plünderungen durch den Pöbel ausgesetzt. In Rom wurden der Philosoph Justin und eine Gruppe christlicher Intellektueller zum Tod verurteilt. Das blühende Christentum in Lyon wurde unter der Anklage von Gottlosigkeit und Unmoral vernichtet. (Unter ausgesuchtesten Folterungen starben auch die ganz junge Blandina und der fünfzehnjährige Ponticus).
Die Berichte aus der damaligen Zeit lassen erkennen, dass die Christen von der öffentlichen Meinung immer mehr abgelehnt wurden. Grosse allgemeine Schicksalsschläge wie Krieg und Pest hatten die Überzeugung aufkommen lassen, das die Götter Rom zürnten. Als man dann noch feststellte, dass die Christen den vom Kaiser zur Abwendung angeordneten Gottesdiensten fernblieben, suchte die Wut des Volkes nach Anlässen, um gegen sie zu entbrennen.
Unter Kaiser Commodus, dem Sohn Marc Aurels, blieb die Situation unverändert.
Die Offensive der Intellektuellen gegen die Christen
Die Offensive der Intellektuellen von Rom erreichte unter der Regierung des Marcus Aurelius ihren Höhepunkt.
<<Häufig und ebenso fälschlicherweise - schreibt Fabio Ruggiero - glaubt man, dass die antike Welt den neuen Glauben mit den Waffen des Rechts und der Politik bekämpft habe. In einem Wort: durch die Verfolgungen. Wenn dies, wenn auch nur zum Teil, für das erste nachchristliche Jahrhundert zutrifft, gilt das in dieser Form ab der Mitte des zweiten Jahrhunderts nicht mehr. Sowohl das Heidentum als auch die Kirche begreifen mehr oder weniger zur gleichen Zeit die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit philosophischen und theologischen Argumenten. Die antike Kultur, seit Jahrhunderten geübt in allen Spitzfindigkeiten dialektischen Denkens, kann der christlichen Lehre erlesene intellektuelle Waffen entgegensetzen. Bald wird sich aber auch die Kirche der Kraft bewusst, mit der das klassische Denken die Ausbreitung des Evangeliums behindert, und begreift die Notwendigkeit, ein genuin christliches philosophisch-theologisches Denken zu entwickeln. Dieses muss gleichzeitig auch in der Lage sein, sich in einer Sprache und in kulturellen Kategorien auszudrücken, die von der griechisch-römischen Welt verstanden werden, in die sie mehr und mehr hineinwächst>>.
Die Argumentation der intellektuellen Gegner des Christentums
Die Gedankengänge von Marc Aurel (121 - 180), Galen (129 - 200), Lucianus, Pellegrinus Proteus und besonders von Celsus (sie schrieben ihre Werke in der zweiten Hälfte des 2. Jhdts.) lassen sich verdichtet so darstellen:
<<Die "Erlösung" aus der Bedeutungslosigkeit des Lebens, aus der Willkür des Schicksals, aus dem Nichts des Todes, aus dem Schmerz ist nur zu finden durch die "philosophische Wissenschaft" der Elite einiger weniger Intellektueller.
Die Tatsache, dass die Christen diese "Erlösung" auf den "Glauben" an einen Menschen gründen, der in Palaestina (einer unbedeutenden Randprovinz) gekreuzigt wurde (wie die Sklaven) und auferstanden sei, ist ein Irrsinn. Dass die Christen an die Botschaft dieses Gekreuzigten glauben, die sich vorzugsweise an die Ausgegrenzten und an die Armen richtet (an den menschlichen "Abschaum") und die Bruderschaft aller Menschen verkündet (in einer Gesellschaft, die wie eine Pyramide organisiert war und dies für die "natürliche Ordnung der Dinge" hielt) - das ist ein weiterer Irsinn. Und dieser Irsinn stört, schafft Unbehagen und zerstört alles. Man muss die Christen als Zerstörer der menschlichen Zivilisation ausrotten>>.
Die Kritik der antichristlichen Intellektuellen richtet sich vor allem gegen die Vorstellung einer "Offenbarung von oben", die nicht auf "philosophischer Wissenschaft" beruht; gegen die Heiligen Schriften der Christen mit ihren historisch, textlich und logisch widersprüchlichen Aussagen; gegen die "unvernünftigen" Lehraussagen; gegen die Sache mit dem WORT Gottes, das Mensch geworden ist (Johannes-Evangelium) und sich dem Sklaventod unterwarf; gegen die christlichen Moralvorstellungen (eheliche Treue, Ehrenhaftigkeit, Achtung vor dem anderen, gegenseitige Hilfeleistung), die vielleicht von einer kleinen Schar von Philosophen verwirklicht werden können, aber gewiss nicht von der ungebildeten Masse.
Für diese Intelektuellen ist die gesamte christliche Lehre ein Wahnsinn, genauso wie die Annahme der Auferstehung (d.h. der Übermacht des Lebens über den Tod) Wahnsinn ist, die Vorliebe Gottes für die einfachen und bescheidenen Menschen, die Bruderschaft aller Menschen. Das ist alles unvernünftig.
Der griechische Philosoph Celsus schreibt in seinem wahren Gespräch: <<Die Christen nehmen unwissende Menschen aus den niedrigsten Volksschichten auf und verachten Ehren und Purpur. Sie gehen sogar so weit, dass sie einander unterschiedslos Brüder und Schwestern nennen … Gegenstand ihrer Verehrung ist ein Mann, der mit der schlimmsten der Todestrafen belegt worden ist, und aus dem unseligen Holz des Kreuzes machen sie sich einen Altar, wie es verderbten und kriminellen Menschen geziemt>>.
Die ersten gelassenen Reaktionen der Christen
Jahrzehntelang verhalten sich die Christen ruhig. Sie verbreiten sich mit der schweigenden Kraft des Verbotenen und setzen Liebe und Martyrium den verleumderischsten Anklagen gegenüber. Im zweiten Jahrhundert widerlegen ihre ersten Apologeten - Verteidiger - (Justin, Atenagoras, Tatian) mit den offensichtlichen Tatsachen die übelsten Beschuldigungen und versuchen, ihren Glauben in einem Sprachgebäude zum Ausdruck zu bringen, welche die von der griechisch-römischen Philisophie geprägte Welt verstehen und nachvollziehen kann. Die "Bausteine", gut ausgerichtet an der Botschaft Jesu Christi, beginnen sich zu einem Bauwerk zusammenzufügen, das auch von Griechen und Römern geschätzt werden kann. Tertullianus im Westen und Origines im Osten (im 3. Jhdt.) beginnen damit, der "christlichen Wissenschaft" eine systematische und beeindruckende Form zu geben.
Die schwere Krise im dritten Jahrhundert
Im dritten Jahrhundert erlebt Rom eine schwere Krisenzeit. Die Beziehungen zwischen Christentum und römischem Reich spitzen sich zu - auch wenn nicht alle dies bemerken.
Der griechische Geschichtsschreiber Herodianus beschreibt die Krisenzeit folgendermassen: <<In den 200 Jahren davor gab es nie einen so häufigen Wechsel auf dem Herrscherthron, nie soviele Bürgerkriege oder Kriegszüge gegen Nachbarländer, nie soviele Bewegungen im Volk. Es gab eine Unzahl von Angriffen auf Städte im Reichsinneren und in vielen Barbarenländern, von Erdbeben und Pestepidemien, von Königen und Usurpatoren. Einige von diesen übten ihre Herrschergewalt lange Zeit aus, andere blieben nur für eine sehr kurze Zeit an der Macht. Manch einer wurde zum Kaiser gekürt und mit Ehren überhäuft und fand bereits nach einem Tag sein Ende>>.
Durch die Eroberung neuer Provinzen hatte sich das römische Reich fortwährend ausgeweitet. Dieser andauernde Zuwachs hatte die Ausbeutung immer neuer und ausgedehnter Gebiete erlaubt (Ägypten war die Kornkammer Roms, Spanien und Gallien sein Weinberg und Olivenhain). Rom hatte sich immer neuer Erzminen bemächtigt (Dacien wurde wegen seiner Goldminen erobert). Die Eroberungskriege hatten für endlose Sklavenscharen (die Kriegsgefangenen) gesorgt, unentgeltliche Arbeitskräfte.
Gegen Mitte des 3. Jhdts. merkte man langsam, dass diese goldenen Zeiten zu Ende gingen. Im Osten war das starke Sassaniden-Reich entstanden, das Rom immer heftiger angriff. Im Jahr 260 geriet Kaiser Valerian mit seinem gesamten 70.000 Mann zählenden Heer in Gefangenschaft, und die Provinzen des Ostens wurden verwüstet. Die Pest dezimierte die überlebenden Legionen und suchte im ganzen Reich ihre Opfer. Im Norden hatte sich eine andere Gruppierung starker Völker gebildet: die Goten. Sie überschwemmten Mösien und Dacien. Kaiser Decius wurde mit seinem Heer im Jahr 251 hingemetzelt, die Goten trugen ihre Verwüstungen vom Norden aus bis nach Sparta, Athen und Ravenna und hinterliessen schreckliche Spuren. Viele unersetzliche Menschen von hoher Bildung verloren ihr Leben oder wurden versklavt, die Zivilisation drohte zu versinken, Handel und Landwirtschaft lagen völlig am Boden.
In dieser Zeit schwerer Unsicherheit verfallen Ordnung und Sicherheit, die der Staat bisher garantierte. Nun werden die Heiden "unvernünftig" und vertrauen nicht mehr auf die Staatsordnung, sondern auf den Schutz geheimnisvoller und sonderbarer Gottheiten. Auf dem Qurinal wird ein Tempel für die ägyptische Göttin Isis errichtet, Kaiser Heliogabalus befiehlt die Anbetung des Sonnengottes, das Volk nimmt seine Zuflucht zu Zauberriten, um die Pest abzuwehren. Trotzdem werden die Christen auch im 3. Jhdt. über Jahre hin schrecklichen Verfolgungen ausgesetzt. Diesmal geschieht das nicht wegen ihrer "Unvernunft" - immerhin waren die Christen inmitten all der vielen, die auf Zauberei und Magie ihre Hoffnung setzten, die einzigen mit einem vernünftigen Glaubenssystem -, sondern zum Zweck der ethnischen Säuberung. Viele Kaiser, obwohl selbst von Geburt Barbaren, sehen in der Rückkehr zur zentralistischen Einheit den einzigen Rettungsweg. Sie ordnen die Ausrottung der immer mehr werdenden Christen an, um aus der römischen Völkergemeinschaft diesen "Fremdkörper" zu entfernen. Denn dieser "Fremdkörper" stellt sich selbst immer mehr als eigene, neue Völkergemeinschaft dar, die bereit ist, an die Stelle des Imperiums zu treten, das auf Waffen, Eroberung und Gewalt errichtet ist.
Septimius Severus, Maximinus Thrax, Decius und Gallus
Mit Septimius Severus (193 - 211), dem Begründer der syrischen Dynastie, scheint sich für das Christentum eine Phase ungestörter Entwicklung anzukündigen. Christen bekleiden am Hof einflussreiche Stellungen. Erst in seinem zehnten Regierungsjahr (202) ändert der Kaiser seine Einstellung radikal. In diesem Jahr wird ein Edikt erlassen, das den Übertritt zum Judentum und zum christlichen Glauben mit schweren Strafen belegt. Dieser plötzliche Meinungsumschwung des Kaisers lässt sich nur so erklären, dass ihm klar geworden ist, dass die Christen immer mehr zu einer völkerumfassenden und organisierten Religionsgemeinschaft mit einer tiefen Oppositionskraft zusammenfanden, die ihm aus politischen Gründen verdächtig schien.
Am schlimmsten betroffen waren die berühmte christliche Schule von Alexandrien und die christlichen Gemeinden in Afrika.
Maximinus Thrax (235 - 238) reagierte mit Gewalt und Brutalität gegen jeden Freund seines Vorgängers Alexander Severus, der die Christen toleriert hatte. Die Kirche von Rom wurde durch die Verurteilung der beiden Anführer der christlichen Gemeinde, des Bischofs Pontian und des Priesters Hyppolit, und deren Deportation zur Zwangsarbeit in die Minen Sardiniens heimgesucht. Einen deutlichen Hinweis darauf, dass sich auch im gewöhnlichen Volk die ablehnende Haltung den Christen gegenüber nicht geändert hat, stellt die regelrechte Christenjagd in Kappadokien dar, als man sie für die Schuldigen an einem Erdbeben hält. Diese Volkserhebung gegen sie zeigt, wie sehr die Christen noch als die "Ausländer und Übeltäter" betrachtet wurden (vgl. K. Baus, Le origini, S. 282 - 287).
Unter Kaiser Decius (249 - 251) bricht die erste systematische Verfolgung der Kirche aus mit der Absicht, sie endgültig auszulöschen. Decius (Nachfolger von Philippus Arabs, der den Christen wohlgesonnen, wenn nicht gar selbst Christ war) ist ein aus Pannonien stammender Senator, ein überzeugter Anhänger der alten römischen Traditionen. Er spürt zutiefst den politischen und wirtschaftlichen Verfall des Reiches, und er glaubt, dessen Einheit wiederherstellen zu können, indem er sich mit aller Kraft den Schutzgöttern des Staates zuwendet. Alle Einwohner werden gezwungen, den Göttern zu opfern, und erhalten danach eine Bestätigung über den Vollzug. Damit bricht für die Christengemeinden der Sturm los. Wer diesen Akt der Unterwerfung unter die Götter verweigert, wird verhaftet, gefoltert, hingerichtet: so z.B. im Rom Bischof Fabian, und mit ihm viele Priester und Laien. In Alexandrien gab es neben der Verfolgung auch Plünderungen und Raub, in Asien starben viele den Martyrertod, u.a. die Bischöfe von Pergamon, Antiochia und Jerusalem. Der grosse Gelehrte Origines wurde unmenschlichen Folterungen ausgesetzt und erlag den Qualen nach vier Jahren - körperlich nur noch ein Torso.
Nicht alle Christen bleiben in der Verfolgungszeit stark, viele werden schwach und opfern. Andere erwerben insgeheim durch Bestechung die berühmte Bescheinigung, unter ihnen, wie im Brief 67 Cyprians zu lesen, wenigstens zwei spanische Bischöfe. Diese Verfolgung, welche die Kirche tödlich zu verwunden scheint, hat mit dem Tod des Decius in der Schlacht gegen die Goten auf der Ebene von Dobrudscha in Rumänien ein Ende (vgl. M. Clèvenot, I Cristiani e il potere, S. 179 f.). Die sieben darauf folgenden Jahre (250 - 257) sind für die Kirche Jahre der Ruhe, die nur in Rom durch eine kurze Verfolgungswelle gestört wird, als Kaiser Trebonius Gallus (251 - 253) Cornelius, das Oberhaupt der Christengemeinde einkerkern lässt und ihn ins Exil nach Centum Cellae (Civitavecchia) verbannt. Wahrscheinlich beugte sich Gallus damit der Stimmung des Volkes, das den Christen die Schuld an der Pestepidemie zuschob, welche das Reich heimsuchte. Man sah den Christenglauben immer noch an als sonderbaren und unheilbringenden "Aberglauben" (vgl. K. Baus, Le origini, S. 292)!
Valerian und die Reichs-Finanzen
Im vierten Regierungsjahr Valerians (257) brach eine unvorhersehbare, harte und grausame Verfolgung über die Christen herein. Diesmal ging es nicht im Geringsten um den Glauben, sondern um Geld. Der kaiserliche Ratgeber (und spätere Usurpator) Macrianus verleitete angesichts der heiklen Finanzsituation des Reiches Kaiser Valerian dazu, die Lücken durch Beschlagnahmung der Güter der reichen Christen zu stopfen. Damals starben berühmte Martyrer wie Bischof Cyprian von Karthago, Papst Sixtus II., der Diakon Laurentius und viele andere. Aber diese Verfolgung war nur ein mit ideologische Gründen überdeckter Diebstahl, und sie endete mit dem tragischen Tod Valerians. Im Jahr 259 fiel er mitsamt seinem Heer in die Hände der Perser und starb später als Sklave.
Darauf folgten vierzig Friedensjahre, in denen die Kirche innen erstarkte und sich nach aussen ausdehnte. Etliche Christen stiegen in hohe Staatsämter auf und bewährten sich als fähige und ehrenhafte Männer.
Diokletian legt Hand an das Finanzdebakel
Im Jahr 271 befahl Kaiser Aurelian, dass die Soldaten und römischen Bürger die ausgedehnte Provinz Dacien und ihre Goldminen verlassen und alles den Goten überlassen sollten: die Verteidigung dieser Ländereien hatte schon zuviel Blut gekostet.
Nun gab es keine Provinzen mehr, die erobert oder ausgebeutet werden konnten, dafür geriet der einfache Bürger als Geldquelle in das Blickfeld. Über ihn brachen immer drückendere Steuern und Pflichten herein, sogar Frondienst (z.B. Instandhaltung der Wasserleitungen, Kanäle, Abwassergruben, Strassen, öffentlichen Gebäude usw.). Man wusste buchstäblich nicht mehr, ob man für den Lebensunterhalt oder für das Steuerzahlen arbeitete. Im Jahr 284 wurde nach einer brillanten Militärkarriere der aus Dalmatien stammende Diocletian zum Kaiser ausgerufen. Angesichts der Misere mit den Provinzen mussten von nun an die Steuern pro Kopf und pro Joch anbaubaren Landes gezahlt werden.
Eine wachsame und aufgeblähte Behörde wurde mit der Steuereinziehung betraut, die es unmöglich machte, dem Fiskus zu entkommen, die jeden mit unmenschlich harten Strafen belegte, der das tat - und den Staat eine Unmenge Geld kostete.
Die Steuern waren derart drückend, dass sie den Willen zur Arbeit lähmten. Das Heilmittel: es wurde verboten, den Arbeitsplatz, den Acker, den man pflügte, die Militäreinheit zu verlassen.
<<So begann - schreibt F. Oertel, Professor für Geschichte der Antike an der Universität Bonn - der schreckliche Versuch des Staates, die Bevölkerung bis zum letzten Tropfen auszupressen… Unter Diokletian wurde ein umfassender Staats-Sozialismus verwirklicht: Terror durch die Funktionäre, äusserste Einengung der individuellen Handlungsfreiheit, fortschreitende Einmischung des Staates, drückende Besteuerung>>.
Verfolgung durch Galerius im Namen Diokletians
In den ersten zwanzig Regierungsjahren Diokletians blieben die Christen unbehelligt.
Völlig überraschend brach im Jahr 303 die letzte grosse Verfolgungswelle über die Christen herein. <<Das ist das Werk des Galerius, des "Caesars" Diokletians - schreibt F. Ruggiero -. Bis 303 vertrat Galerius die kluge Politik Diokletians, der sich trotz seiner stark traditionalistischen Einstellung nachgiebig und tolerant verhielt>>. Vier aufeinander folgende Edikte (Februar 303 bis Februar 304) verfügten den Christen gegenüber die Zerstörung ihrer Gotteshäuser, die Beschlagnahme ihrer Güter, das Einziehen der Heiligen Bücher und Folterung bis zum Tod für den, der dem Kaiser nicht opferte.
Es ist wie immer schwierig festzulegen, welche Motive Diokletian dazu gebracht haben, einer derartigen Politik seine Zustimmung zu geben. Man kann unterstellen, dass Diokletian starkem Druck ausgesetzt war durch die fanatische Gruppe von Heiden, die hinter Galienus stand. In einer Situation von "weitverbreiteter Angst" (wie Dodds das nennt) konnte nach Meinung von Galerius und seinem Freundeskreis nur die Rückkehr zum alten Götterglauben Roms das Volk wieder stark machen und es davon überzeugen, dass soviele Opfer notwendig waren. Es war Zeit zu einer Rückkehr zu den vetera instituta, also zu den alten Gesetzen und zur traditionellen römischen Disziplin.
Diese Verfolgung erreichte ihren Höhepunkt im Osten des Reiches, vor allem in Syrien, Ägypten und in Klein-Asien. Als Diokletian im Jahr 305 abdankte, folgte ihm als "Augustus" Galerius, und als dessen "Caesar" Maximus Daia, ein noch grösserer Fanatiker als Galerius.
Erst im Jahr 311, sechs Tage vor seinem Tod an Krebs, erliess Galerius ein sehr bitter gefasstes Dekret, mit dem er den Verfolgungen ein Ende setzte. In diesem Dekret (das historisch die endgültige Freiheit bedeutete, Christ sein zu dürfen) beklagte Galerius die Hartnäckigkeit und den Wahnsinn der Christen, die sich in grosser Zahl geweigert hatten, zu den Religionen des alten Rom zurückzukehren; er erklärte, es sei nutzlos gewesen, die Christen zu verfolgen und ermahnte sie, zu ihrem Gott für die Gesundheit des Kaisers zu beten.
F. Ruggiero kommentiert dieses Dekret folgendermassen: <<Die Christen hatten als Feinde ein völlig abnormales Verhalten an den Tag gelegt. Über zwei Jahrhunderte lang hatte Rom versucht, sie in das eigene gesellschaftliche Netz einzubeziehen… Rein physisch gesehen waren sie zwar innerhalb der civitas Romana, aber in vieler Beziehung doch ausserhalb ihrer>>. Und so bewirkten sie am Ende <<eine radikale Umformung dieser civitas im christlichen Sinn>>.
Die tiefgreifende Revolution
Die letzten systematischen Verfolgungen des 3. und 4. Jhdts. Blieben letztlich ebenso wirkunglos wie die sporadischen der beiden ersten Jahrhunderte. Die ethnische Säuberung, zu der die griechisch-römischen Intelllektuellen aufgerufen hatten, fand nicht statt. Warum?
Die entrüsteten Anklagen, welche Celsus gegen die Christen erhob (<<sie sammeln unwissende Menschen aus den niedrigsten Volksschichten, sie verachten Ehren und Purpur und gehen sogar so weit, dass sie einander unterschiedslos Brüder und Schwestern nennen>>), erwiesen sich auf die Dauer als die beste Empfehlung für sie. Die christliche Botschaft von der Würde eines jeden Menschen, selbst des einfachsten, und von der Gleichheit aller vor Gott - ihr gesellschaftlich revolutionärster Punkt - hatte in aller Stille ihren Weg gefunden in die Herzen der vielen Menschen und Völker, die von den Römern versklavt, geknechtet und zum menschlichen Abfall bestimmt worden waren.
(Übersetzt aus der Jugendzeitschrift Dimensioni nuove 7/96, Dossier S. 30 - 39)
Bibliografie: K.BAUS Le origini, Jaca Book; F.RUGGIERO La Follia dei Cristiani, Il Saggiatore; T. BOSCO, Eusebio di Vercelli nel suo tempo pagano e cristiano, Elle Di Ci; J. DA- NIELOU, H. MARROU, Dalle origini a S. Gregorio Magno, Marietti; M. CLEVENOT, Gli uomini della fraternità, 1-2 Borla.

