BEITRÄGE ZUR THEMATIK


DIE MARTYRER DER FRÜHKIRCHE

1. Vorbemerkung: die Martyrer, Zeugen und Lehrer des Glaubens

2. Die Martyrerakten

3. Die wichtigste Quelle: Eusebius von Caesarea

3.1 Die Martyrer von Alexandrien in Ägypten
3.2 Die Martyrer aus der Thebais
3.3 Die Martyrer von Tyrus in Phönizien
3.4 Die Martyrer von Pontus
3.5 Das Martyrium der hl. Symphorosa und ihrer sieben Söhne
3.6 Das Martyrium der hll. Ptolemäus, Lucius und eines Gefährten
3.7 Das Martyrium des hl. Maximus
3.8 Das Martyrium der Heiligen von Scilio
3.9 Das Martyrium der Christen von Alexandria
3.10 Das Martyrium des hl. Zenturio Marinus
3.11 Das Martyrium des hl. Diakons Euplius
3.12 Die vierzig Martyrer von Sebaste
3.13 Das Martyrium des hl. Simeon
3.14 Das Martyrium des hl. Polykarp
3.15 Das Martyrium der hll. Carpus, Papilus und Agatonis
3.16 Das Martyrium des hl. Apollonius
3.17 Das Martyrium des hl. Pionius
3.18 Martyrer über Martyrer
3.19 Das Martyrium des hl. Conon
3.20 Das Martyrium der hl. Asketen Samonas und Gurias
4. Wie viele Martyrer gab es damals?

5. Das Gedenken der Martyrer, fortwährendes Zeugnis der Liebe Christi und der Kirche (Johannes Paul II. in der Bulle „Incarnationis Mysterium" - das Geheimnis der Menschwerdung - zur Ausrufung des Heiligen Jahres)

6. Die Martyrer sind kompromißlose Zeugen (D. Juan E. Vecchi, Generaloberer der Salesianer Don Boscos)


1. Vorbemerkung: die Martyrer, Zeugen und Lehrer des Glaubens

    In der heutigen Zeit den Glauben zu leben kostet manchmal viel Mut. Es gibt viele Sorgen und Ängste, auch wenn es im Grund genommen schön ist, in dieser Zeit zu leben, die soviel Hoffnung auf ein besseres und menschlicheres Morgen in sich trägt. Und viele riskieren sogar ihr Leben dafür, setzen es aufs Spiel zur Verteidigung ihrer Ideen, ihrer Freiheit, und so fehlt es nicht an leuchtenden Beispielen für Heldentum.
    Auch der Christ muß einiges wagen und aufs Spiel setzen, wenn er mit seinem Christentum ernst machen will. Gibt es nicht in der heutigen Welt noch Gegenden, wo Unterdrückung und Verfolgung den zwingen, der Christus treu sein will, dies im Geheimen zu tun, wie in der Zeit der frühen Verfolgungen? Und muß derjenige, einmal entdeckt, nicht teuer dafür zahlen?
    Auch dort, wo es nicht so weit geht, findet nicht selten eine subtile, untergründige Verfolgung statt: man wird gemobbt, geschnitten bis hin zum Boykott, auf feine und doch wirksame Art werden einem Steine in den Weg gelegt, man wird lächerlich gemacht, weil man sein Christsein ernstnehmen will.
    Christenverfolgungen sind nichts Neues. Seit man selbst den Herrn ans Kreuz geschlagen hat, dauert die Geschichte der Verfolgung von Christen, die trotz allem nicht aufgegeben haben, nun schon an die 2000 Jahre. Christus selbst hat gesagt: „Wenn sie mich verfolgen, werden sie auch euch verfolgen". Und Seine Kirche ist und wird immer gekennzeichnet sein dadurch: sie ist eine Kirche von Martyrern.
    Einige Seiten der Geschichte verdienen besondere Aufmerksamkeit: auf ihnen steht geschrieben, wie in den ersten Jahrhunderten der Kirche das Blut zahlloser Glaubenszeugen floß. In diesen Seiten zu lesen - und man beachte: sie enthalten wahre und dokumentierte Geschichte und keine Legenden, Märchen oder Mythen! - wird uns helfen, und vielleicht sogar notwendig sein. Diese Geschichte kann zu einer echten Glaubensschule werden, sie kann uns lehren, auch heute furchtlos den Glauben an Christus zu bekennen, kann uns Mut machen, einer Verfolgung standzuhalten, wie immer sie aussieht.


2. Die Martyrerakten

    Die „Martyrerakten" sind die offiziellen und ältesten Dokumente der Kirche in der Verfolgungszeit, sie sind zeitgenössische Berichte, erzählen von tatsächlichen Ereignissen. Da gibt es die Protokolle von Christenprozessen, „prokonsularische Akten" genannt, weil der Vorsitzende des Gerichts normalerweise ein Prokonsul war; dann die Berichte von Augen- und Ohrenzeugen; die „Leidensberichte" sind Rundschreiben, in denen eine Ortskirche die anderen über ein Martyrium informiert, und die „Leidenserzählungen" entstanden teilweise sogar auf Diktat der Glaubenszeugen selbst während ihrer Leidenszeit.
    Der Großteil der Martyrerakten findet sich in der „Kirchengeschichte" und in „Die Martyrer Palästinas" des Eusebius von Caesarea (3.-4.Jhdt). Weitere Quellen sind Laktanz (3.-4.Jhdt.) in „De mortibus persecutorum" - „Über den Tod der Verfolgten", die Briefe und die Abhandlung „De Lapsis" - „Über die Abgefallenen" des hl. Cyprian (3.Jhdt.), die Verteidigungsreden verschiedener griechischer und lateinischer Autoren oder Lobreden großer christlicher Redner wie Ambrosius, Augustinus, Maximus von Turin, Petrus Chrysologus im Westen, und im Osten Basilius, Gregor von Nyssa und Johannes Chrysologus.
    Die Martyrerakten wurden während der Eucharistiefeier an ihrem Festtag vorgelesen, denn das Gedenken der Martyrer, die Erinnerung an sie hat als tiefsten Grund das Gedenken an Christus. Im Leiden und Tod des Martyrers erneuert sich das eine Leiden des Herrn, sein Tod und seine Auferstehung.


3. Die wichtigste Quelle: Eusebius von Caesarea

    Eusebius wurde um das Jahr 265 in Caesarea, Palästina geboren. Er erhielt in der Schule des Gelehrten Pamphilus eine solide intellektuelle und vor allem historische Ausbildung. Später wurde er zum Bischof seiner Stadt gewählt, und er galt als der gelehrteste Mann seiner Zeit. Er schrieb viele Werke zur Theologie, zur Exegese (Auslegung der Hl. Schrift) und zur Apologetik (Verteidigung des Glaubens), aber sein wichtigstes Werk war die zehnbändige „Kirchengeschichte", die er in 25 Jahren leidenschaftlicher Forschungsarbeit verfaßte.
    Die ersten sieben Bücher geben die Geschichte der Kirche bis zum Jahr 303 wieder. Der achte und neunte Band befassen sich mit der Verfolgung, die Diokletian 303 in Gang setzte, im Westen 306 endete, im Osten hingegen von Galerius bis zum Toleranzedikt 311 fortgeführt wurde und schließlich mit dem Tod des Maximinus 313 endete. Band zehn behandelt die Entwicklung der Kirche bis zum Sieg Konstantins über Licinius und die Einigung des Reiches im Jahr 323.
    Bereits vor diesem Werk hatte Eusebius eine umfassende Dokumentation gesammelt oder kopiert (Akten von Martyrerprozessen, Leidensgeschichten, Apologien, Zeugnisse von Einzelpersonen oder Gemeinden), auch solche aus der Zeit vor Diokletian, und sie in der leider verloren gegangenen „Sammlung der alten Martyrer" veröffentlicht; teilweise verwendete er diese Unterlagen auch in seiner „Kirchengeschichte".
    Er selbst blieb von der diokletianischen Verfolgung (303 - 311) verschont, war aber Augenzeuge von außerordentlicher Bedeutung: er mußte persönlich die Zerstörung von Kirchen miterleben, das Verbrennen der heiligen Bücher, Szenen grausamen Martyriums in Palästina, Phönizien und sogar in der fernen ägyptischen Thebais, und so hat er ein bewegendes Gedenken daran von großem historischen Wert hinterlassen.
    Seine „Kirchengeschichte" bleibt, trotz einiger Lücken und Fehler, „das bekannteste und am meisten glaubwürdige historische Werk und oftmals die einzige noch vorhandene Informationsquelle" (Angelo Penna in: Enciclopedia Cattolica, Vatikanstadt 1950, Bd. V, SS. 842 - 854).


    Hier sei eine kurze Zusammenstellung historischer Fakten vorgestellt, eine kleine Anthologie aus Originaltexten der damaligen Autoren in möglichst getreuer Übersetzung. Daraus wird deutlich, wie unsere frühen Brüder und Schwestern im Glauben gelitten und für Christus Marterqual und Tod auf sich genommen haben.

Das Martyrium gehört zur Kirche, schon immer und überall.
    Auch die Martyrer, über die hier kurz berichtet wird, gehören verschiedenen Jahrhunderten an, sind unterschiedlich nach Personenstand, gesellschaftlicher Stellung und Nationalität, sie stehen für die gesamte Kirche. Es sind Frauen und Männer, Reiche und Arme, Greise (Simeon stirbt mit 120 Jahren) und junge Menschen (die sieben Söhne der Symphorosa), gehören dem geistlichen Stand an (die Bischöfe Simeon, Polykarp, Acacius, Carpus, Sagaris; der Priester Pionius; die Diakone Euplius und Papilus) oder sind Laien (der Senator Apollonius, der Händler Maximus, der Gärtner Conon, die vierzig Legionäre von Sebaste, der Zenturio Marinus, Symphorosa und Agatonis als Hausfrauen und Mütter); Adelige (wie der Senator Apollonius) und einfache Leute (wie der Gärtner Conon, oftmals namentlich noch nicht einmal bekannt. Sie alle haben mit dem blutigen Opfer ihres Lebens Zeugnis abgelegt für ihre Christustreue. So erzählen die Martyrerakten die eigentliche und wahre Geschichte der Kirche in der Anfangszeit.

3.1. 1. Die Martyrer von Alexandria (Ägypten)

„Aus einem Brief des Phileas an die Bewohner von Tmuis"

Phileas, Bischof der Kirche von Tmuis, einer Stadt östlich von Alexandria, genoß großes Ansehen in seiner Heimatstadt, in der er auch zivile Aufgaben wahrnahm und die philosophische Kultur förderte. Er war noch jung, entstammte dem Adel und besaß große Reichtümer, seine Frau und seine Kinder waren mit ziemlicher Sicherheit Heiden. Vom Gefängnis aus berichtete er in einen Brief von dem unter den Christen angerichteten Blutbad, dessen Augenzeuge er war, und rühmt den Mut und den Glauben der Martyrer. Er selbst erlitt im Jahr 306 für seinen Glauben den Tod durch Enthaupten.

„Getreu all den Beispielen, Weisheitssprüchen und Lehren, welche Gott uns in den göttlichen und heiligen Schriften gab, richteten die seligen Martyrer, die bei uns lebten, ihre Seelen ohne den Schatten einer Unsicherheit und mit reinem Herzen auf den Gott des Weltalls. Im Geist nahmen sie den Tod für ihren Glauben auf sich, antworteten mit fester Stimme auf den göttlichen Ruf und fanden so unseren Herrn Jesus Christus, der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist, um die Sünde an der Wurzel auszurotten und uns mit der Wegzehrung für die Reise in das ewige Leben zu versehen. Denn in der Tat dachte der Sohn Gottes nicht daran, sich seiner Gottgleichheit zu bedienen, obwohl er göttlicher Natur war. Vielmehr zog er es vor, sich selbst zu verleugnen und die Natur eines Sklaven anzunehmen und so den Menschen gleich zu werden; als Mensch erniedrigte er sich bis zum Tod, zum Tod am Kreuz (Phil. 2, 6 - 8).

Die Martyrer, Christus in ihren Herzen, nahmen in der Erwartung der größeren Gnadengaben jedes Leiden und jede für sie ausgedachte Form von Marterqual auf sich, und zwar nicht nur einmal, sondern auch noch ein weiteres Mal. Angesichts aller Drohungen, mit denen sich die Soldaten in Worten und Taten überboten, änderten sie ihre Überzeugung nicht, denn „die vollkommene Liebe vertreibt die Angst" (1 Joh. 4, 18). Welche Ruhmrede würde genügen, um von ihrer Tugendfestigkeit und von ihrem Mut angesichts jeder Prüfung zu berichten?
Wer immer von den Heiden Lust verspürte, konnte auf die Martyrer eindringen. Einige schlugen sie mit Holzknüppeln, andere mit Ruten, wieder andere mit Peitschen, Lederriemen oder Seilen. Dieses Schauspiel an unterschiedlichsten Quälereien war außerordentlich grausam.
Einige wurden mit gebundenen Händen an einen Balken gehängt, während ihre Glieder gleichzeitig in alle Richtungen gezogen wurden; dann wendeten die Henker auf Anordnung des Richters ihre Marterwerkzeuge am ganzen Körper an, und nicht nur an der Seite wie üblicherweise bei Mördern, sondern auch am Bauch, an den Beinen oder an den Wangen. Andere wurden mit nur einer Hand außerhalb des Torbogens aufgehängt und erlitten so wegen der Dehnung der Gelenke und der Glieder heftigste Schmerzen.
Andere wurden an Säulen gebunden, die Gesichter einander zugewandt, ohne daß die Füße den Boden berühren konnten, aber wegen des Zuges durch das Körpergewicht mußten sich die Gelenke notwendigerweise dehnen.
All dies ertrugen sie nicht nur, während der Regierungsbeamte sich zu einem Verhör herabließ, sondern fast den gesamten Tag lang. Wenn nämlich der Regierungsbeamte weiterging, um andere zu verhören, beauftragte er seine Untergebenen damit, sorgfältig zu beobachten, ob nicht vielleicht jemand, von den Qualen überwältigt, Anzeichen machte, nachzugeben; und er befahl, dies unerbittlich auch mit Ketten zu kontrollieren, und wenn sie dann gestorben wären, sie herunterzunehmen und auf den Boden zu zerren.
Dies war die zweite Quälerei, welche unsere Gegner sich für uns ausgedacht hatten: uns nicht auch nur die geringste Beachtung zu schenken, sondern zu denken und zu tun, als gäbe es uns bereits nicht mehr. Es gab auch solche, welche nach den vorher erlittenen Greueln auf den Block gestellt wurden, die Füße bis zum vierten Loch gespreizt, so daß sie sich nicht rühren konnten, weil sie auch am ganzen Körper durch die vorherigen Schläge verwundet waren.
Andere wieder hatte man auf den Boden geworfen, und da lagen sie, von den Torturen überwältigt und boten den Schaulustigen wohl einen noch grausigeren Anblick der ihnen zugefügten Qualen, denn ihre Körper zeigten überall die Spuren der Martern.
In dieser Situation starben einige unter ihren Qualen und beschämten den Gegner durch ihre Standhaftigkeit. Andere wurden halbtot in den Kerker gesperrt und hauchten dort wenige Tage später unter Schmerzen ihr Leben aus. Die übrigen schließlich, welche dank medizinischer Pflege wieder gesund wurden, faßten im Verlauf der Zeit durch die Verbindung mit den Gefährten im Gefängnis wieder neuen Glaubensmut.
Als dann das kaiserliche Edikt die Wahl erlaubte, entweder an den gottlosen Opfern teilzunehmen und unbehelligt zu bleiben und so von der weltlichen Obrigkeit eine ruchlose Freiheit zu erhalten, oder nicht zu opfern und die Todesstrafe auf sich zu nehmen, gingen die Christen ohne jedes Zögern frohen Herzens in den Tod.
Denn sie wußten ja, was von den heiligen Schriften vorherbestimmt und angekündigt ist: „Wer den heidnischen Göttern opfert - spricht der Herr - der wird ausgerottet" (Ex. 22, 19) und „Du sollst keinen Gott haben außer mir" (Ex. 20, 3)".

Und der hl. Eusebius schließt: „Dies sind die Worte, welche der Martyrer, ein wahrer Weiser und Freund Gottes, an die Gläubigen seiner Kirche vor dem Todesurteil schrieb; er berichtete von seiner Situation und ermahnte sie, auch nach seinem unmittelbar bevorstehenden Tod im Glauben an Christus stark zu bleiben" (Eusebius, Kirchengeschichte, VIII, 10).

3.2. Die Martyrer aus der Thebais (Ägypten)

„Worte reichen nicht aus, um die Qualen und die Schmerzen zu beschreiben, welche die Martyrer aus der Thebais erlitten. Am ganzen Körper wurden sie nicht mit Scherben, sondern mit eisernen Haken zerfleischt, bis sie starben. Den Frauen wurde ein Bein hoch festgebunden, und am Kopf wurden sie mit Spannrollen nach unten gezerrt, und völlig nackt boten sie so den Blicken aller einen Anblick, wie er demütigender, grausiger und unmenschlicher nicht sein kann.
Andere starben in ihren Fesseln an Bäumen: von nebeneinander stehenden banden die Henker die stärksten Äste zusammen, und die Beine der Martyrer wurden an je einem festgebunden. Dann wurden die Verbindungen der Äste durchtrennt, diese schnellten in ihre ursprüngliche Stellung zurück und zerrissen dabei die Menschen vollständig, gegen die solche Qualen ersonnen wurden.
Alle diese Dinge geschahen nicht für wenige Tage oder für kurze Zeit, sondern dauerten über einen längeren Zeitraum von Jahren. Jeden Tag wurden Menschen umgebracht, mal waren es mehr als zehn, manchmal über zwanzig, dann wieder nicht weniger als dreißig oder sogar sechzig. An einem einzigen Tag wurden hundert Männer getötet, ganz sicher mit ihren Kindern und Frauen, hingerichtet durch ein fortwährendes Aufeinanderfolgen von raffiniertesten Torturen.
Wir waren selbst am Richtplatz anwesend und beobachteten, wie an einem einzigen Tag massenweise Scharen von Menschen getötet wurden, teils enthauptet, teils lebendig verbrannt, und zwar in solch großer Zahl, daß die Klinge des Eisens, das sie tötete, stumpf wurde und sogar zerbrach, während die Henker sich aus Müdigkeit abwechseln mußten.
Wir betrachteten dann die wunderbare Begeisterung, die wahrlich göttliche Kraft und den Eifer derer, die an Christus, den Sohn Gottes glaubten. Kaum war nämlich die Todesstrafe gegen die ersten Verurteilten ausgesprochen, sprangen andere vor das Tribunal des Richters und erklärten, sie seien Christen, und bereit, sich ohne jedes Zögern den schrecklichen Qualen und den vielfältigen Martern zu stellen, welche gegen sie vorbereitet wurden.
Mutig und furchtlos bei der Verteidigung des Glaubens an den Gott des Universums nahmen sie die Todesstrafe mit Freude und Jubel entgegen, ja, sie stimmten sogar Hymnen und Lieder an, richteten Dankgebete an den Gott des Universums bis zu dem Augenblick, in dem sie den letzten Atemzug aushauchten.
Diese Christen sind wahrlich zu bewundern, aber bewundernswerter noch diejenigen, die sich in der Welt einer glänzenden Stellung erfreuten, Reichtümer besaßen, öffentliche Ämter ausübten, redegewandt und von hoher Kultur waren, das alles hintansetzten wegen der wahren Religion und des Glaubens an unseren Erlöser und Herrn Jesus Christus" (Eusebius, Kirchengeschichte, VIII, 9).

3.3. Die Martyrer von Tyrus in Phönizien

„Bewundernswert waren auch diejenigen, die ihren Glauben bezeugten in ihrem eigenen Land, wo sie zu Tausenden - Männer, Frauen und Kinder - den Tod in verschiedenen Formen für die Lehre unseres Erlösers auf sich nahmen und des gegenwärtigen Lebens nicht achteten.
Einige wurden lebendig verbrannt, nachdem man sie gehäutet, mit Haken gequält, ausgepeitscht und vielen anderen ausgesuchten Martern unterzogen hatte, die schon beim Zuhören schrecklich sind.
Andere wurden in das Meer gestürzt, wieder andere boten dem Henker mutig ihr Haupt hin, und noch andere erlagen den Qualen der Folterungen selbst oder starben vom Hunger erschöpft.
Wiederum andere wurden gekreuzigt: der eine in gewohnter Weise wie die Räuber, der andere in noch grausamerer Weise, d.h. mit dem Kopf nach unten angenagelt und solange bewacht, wie sie lebten, also bis sie vor Hunger am Schandholz starben" (Eusebius, Kirchengeschichte, VIII, 8).

3.4. Die Martyrer von Pontus (Kleinasien)

„In den Städten von Pontus mußten die Martyrer schreckliche Qualen erleiden: einigen wurden mit angespitzten Rohren die Fingernägel herausgerissen; für andere wurde Blei geschmolzen, und als es glühend heiß war und kochte, wurde es dem Opfer über die Schultern geschüttet und die lebenswichtigen Teile des Körpers so verbrannt.
Andere erlitten an ihren intimsten Gliedern und an den Eingeweiden widerwärtige Foltern, so grausam, daß sie sogar beim Zuhören unerträglich sind. Dies hatten sich die illustren Richter, die Hüter des Gesetzes, voller Eifer ausgedacht, und sie brachten ihre ganze Bosheit zum Vorschein, als wäre sie eine besondere Weisheit; sie wetteiferten miteinander darin, sich mit grausamen Erfindungen zu überbieten wie jemand, der um die Preise eines Wettkampfes streitet.
Der Gipfel des Unheils brach über die Christen herein, als die heidnischen Behörden, des Exzesses an Blutvergießen und Toten müde, eine - wie sie meinten - mildere und gütigere Haltung einnahmen, so daß es schien, sie hätten sich keine weitere schreckliche Qual gegen uns ausgedacht.
Es wäre nämlich nicht recht, sagten sie, ganze Städte mit dem Blut der Bürger zu beflecken, und auch nicht, so zu handeln daß man die höchste Autorität der Herrscher, die doch allen gegenüber so wohlwollend und milde sei, der Grausamkeit beschuldigen könnte. Hingegen wäre es nötig, die Wohltat der menschlichen kaiserlichen Macht auf alle auszuweiten und niemanden mehr zum Tod zu verurteilen. Und tatsächlich wurde auf kaiserlichen Erlaß hin uns gegenüber diese Strafe abgeschafft.
Damals wurde angeordnet, unseren Brüdern die Augen herauszureißen und sie an einem Bein zum Krüppel zu machen, denn dies wäre nach Meinung der Heiden ein Akt der Menschlichkeit und die leichteste der Strafen, die sie gegen uns verhängen könnten.
Als Folge einer derartigen „Großherzigkeit" seitens dieser gottlosen Herrscher war es unmöglich zu sagen, welche Mengen an Menschen zu sehen waren, denen man mit dem Schwert das rechte Auge herausgeschnitten und die Wunde ausgebrannt hatte. Anderen hatte man mit glühenden Eisen den linken Fuß gleich unter dem Gelenk verkrüppelt, und danach wurden sie zu den Kupferminen einer jeden Provinz gebracht, nicht so sehr, weil sie Ertrag bringen könnten, sondern um ihr Elend und ihr Unglück noch zu vergrößern. Außer den derart Gemarterten gab es andere, welche Prüfungen ausgesetzt wurden, die man nicht einmal benennen kann, weil diese Schändlichkeiten uns gegenüber unbeschreiblich sind.
Die edlen Martyrer Christi, die sich auf der ganzen Erde ausgezeichnet hatten, machten alle diejenigen sehr betroffen, welche Zeugen ihres Wertes waren. Und durch ihr Verhalten lieferten sie ganz offensichtliche Beweise für die geheime und wahrlich göttliche Kraft unsres Erlösers. Es würde zu lang dauern, wenn nicht gar unmöglich sein, an jeden einzelnen Namen zu erinnern. (Eusebius, Kirchengeschichte, VIII, 12).

3.5. Das Martyrium der hl. Symphorosa und ihrer sieben Söhne

Der Bau der Hadriansvilla in Tivoli war etwa im Jahr 135 fertiggestellt, und zu dieser Zeit könnte auch die hl. Symphorosa den Tod gefunden haben: sie wurde als Versöhnungsopfer dargebracht bei den „üblichen ruchlosen Riten der Heiden" anläßlich der Einweihung der kaiserlichen Wohnstätte.
Die Beschreibung ihres Martyriums zeigt einen Hadrian, der dem Christentum ablehnend gegenübersteht - die Zeiten der friedlichen Anweisungen an den Prokonsul Minutius Fundanus sind vorbei - und den Verleumdungen der heidnischen Priester Glauben schenkt.
Der Kaiser selbst, und nicht einer seiner Hofbeamten, läßt die Frau rufen und versucht, sie zum Glaubensabfall zu bewegen, und genauso geht er auch bei ihren Söhnen vor.


„Kaiser Hadrian hatte sich einen Palast erbauen lassen und wollte ihn nun mit den üblichen ruchlosen Riten der Heiden einweihen. Er begann damit, daß er die Götzen und Dämonen, die dort wohnten, mit Opfern beschwor, und erhielt die folgende Antwort: „Die Witwe Symphorosa quält uns jeden Tag damit, daß sie zu ihrem Gott betet. Wenn sie also selbst mit ihren sieben Söhnen nach unserem Brauch opfert, dann versprechen wir, Dir alles zu gewähren, was Du erbittest".
Deshalb ließ Hadrian sie mit ihren Kindern ins Gefängnis werfen und versuchte, sie mit Schmeicheleien dazu zu bringen, den Göttern zu opfern. Aber Symphorosa sagte zu ihm: „Mein Gatte Gaetulius und sein Bruder Amatius, die in deinem Heer als Tribunen gekämpft haben, nahmen so viele Foltern auf sich, weil sie den Göttern nicht geopfert hatten, und gleich tapferen Wettkämpfern besiegten sie mit ihrem Tod die Dämonen. Sie ließen sich lieber enthaupten als besiegen; sie erlitten den Tod, nahmen ihn auf sich wegen des Namens Christi. In der Welt der an irdische Interessen gebundenen Menschen gereichte ihnen dies zur Schande, aber vor den Scharen der Engel wurde ihnen Ehre und ewiger Ruhm zuteil. Sie wandeln nun unter den Engeln, tragen die Trophäen ihres Leidens als Siegeszeichen und freuen sich im Himmel des ewigen Lebens mit dem ewigen König."
Der Kaiser gab der heiligen Symphorosa zur Antwort: „Entweder opferst du mit deinen Kindern den allmächtigen Göttern, oder ich lasse dich selbst mit deinen Söhnen opfern".
Die heilige Symphorosa erwiderte darauf: „Woher kommt mir die Gnade, daß ich es verdiene, mit meinen Söhnen Gott geopfert zu werden?" Und der Kaiser: „Ich lasse dich meinen Göttern opfern". Die selige Symphorosa antwortete: „Deine Götter können mich nicht als Opfer annehmen. Aber wenn ich im Namen Christi, meines Gottes geopfert werde, dann werde ich die Macht haben, deine Dämonen zu vernichten."
Nun sagte der Kaiser: „Triff deine Wahl zwischen diesen beiden Vorschlägen: entweder du opferst meinen Göttern, oder du stirbst eines tragischen Todes".
Darauf entgegnete Symphorosa: „Du glaubst, vor Angst könnte ich meinen Vorsatz umstoßen, wo es doch mein lebhaftester Wunsch ist, in Frieden neben meinem Gatten Gaetulius zu ruhen, den du wegen des Namens Christi hast töten lassen."
Darauf ließ Kaiser Hadrian sie zum Tempel des Herkules bringen; dort ließ er sie zunächst ohrfeigen und dann an den Haaren aufhängen. Als er jedoch sah, daß er sie durch nichts, und auch durch keine Drohung, von ihrem Vorsatz abbringen konnte, ließ er ihr einen großen Stein an den Hals binden und im Fluß ertränken.
Bruder Eugenius, der am Hof von Tivoli eine Stellung bekleidete, barg ihren Leichnam und ließ ihn am Rand dieser Stadt beerdigen.
Am folgenden Tag ließ Kaiser Hadrian gleichzeitig alle ihre sieben Söhne zu sich rufen. Als er sah, daß er sie weder durch Schmeicheln noch durch Drohen dazu bringen konnte, den Göttern zu opfern, ließ er um den Tempel des Herkules sieben Pfähle einsetzen und daran die jungen Männer mit Gerüsten festbinden. Dann ließ er sie töten: Crescens wurde die Kehle durchgeschnitten; Julianus die Brust durchbohrt, Nemesius das Herz, Primitivus der Bauchnabel, Justinus die Schultern und Stracteus die Seite; Eugenius wurde vom Kopf bis zu den Füßen aufgeschlitzt.
Am nächsten Tag begab sich Kaiser Hadrian zum Tempel des Herkules; er ließ ihre Leichname fortschaffen und in eine tiefe Grube werfen. Diesen Ort nannten die Priester „Zu den sieben Hingerichteten".
Danach wurden die Verfolgungen für ein Jahr und sechs Monate unterbrochen, und während dieser Zeit wurden die Martyrer ehrenvoll zur Ruhe gebettet und Grabstätten für diejenigen errichtet, deren Namen in das Buch des Lebens eingeschrieben sind.
Der Geburtstag der heiligen christlichen Maryrer Symphorosa und ihrer sieben Söhne wird 15 Tage vor den Kalenden des August (17. Juli) gefeiert. Ihre Körper ruhen an der Via Tiburtina etwa acht Meilen von Rom entfernt unter der Herrschaft unseres Herrn Jesus Christus, dem Ehre und Ruhm gebühren in alle Ewigkeit. Amen". (nach F. Cardulo, „Acta Symphorosae et sociorum, Rom 1588).

3.6. Das Martyrium der hll. Ptolemäus, Lucius und eines Gefährten

Der folgende Auszug ist entnommen der zweiten Apologie des Justinus. Diese Schrift entstand unter dem Eindruck des Prozesses gegen drei Christen, der 162 oder 163 unter dem Präfekten Urbicus in Rom stattfand. Der Bericht wurde kurz nach dem Ereignis niedergeschrieben, in sich geschlossen und ohne Abschweifungen oder rhetorische Schnörkel, aber durch den nüchternen Tatsachenbericht ist die engagierte Verteidigung des Christentums spürbar.
Warum nur werden Menschen verurteilt, die ihren Glauben durch eine einfache Lebensführung und Abkehr von widernatürlichem, schuldhaftem Verhalten umsetzen? Das ist der Sinn der Worte des Martyrers Lucius, und auch die Meinung des Justinus selbst, der wenige Jahre später ebenfalls seinen Glauben mit seinem Blut bezeugte.


„Da lebte einmal eine Frau, verheiratet mit einem lasterhaften Mann, anfänglich auch sie sittenlos. Aber als ihr die Lehren Christi bekannt wurden, begann sie nicht nur selbst, ein reineres Leben zu führen, sondern versuchte, auch ihren Mann dazu zu bewegen, sich zu bekehren. Sie sprach zu ihm von der neuen Lehre, und auch vom Schrecken des ewigen Feuers für alle, die ein unreines Leben ohne die richtigen Prinzipien führen.
Aber ihr Mann verharrte in seiner Sittenlosigkeit und entfremdete sich mit seinem ruchlosen Verhalten das Herz seiner Gattin. Diese bedachte, es sei unsittlich, für den Rest ihrer Tage Seite an Seite mit einem Mann zu leben, der aus den ehelichen Beziehungen Vergnügen ziehen wollte, die im Widerspruch standen zu den Naturgesetzen und zur Gerechtigkeit, und so beschloß sie, sich von ihm zu trennen.
Von ihren Verwandten wurde ihr davon abgeraten; diese beschworen sie, noch Geduld zu haben in der Hoffnung, ihr Mann würde sein Leben ändern, und deshalb nahm sie alle Kraft zusammen und blieb bei ihm.
Als sich ihr Mann bald darauf nach Alexandria begab, wurde ihr berichtet, ihr Mann würde dort noch größere Schuld auf sich laden als vorher. Die Frau wollte nicht zur Komplizin seiner Frevel und Ruchlosigkeiten werden dadurch, daß sie an seiner Seite blieb und Bett und Tisch mit ihm teilte; sie gab ihm also das, was ihr „Büchlein der Verstoßung" nennt und ließ sich scheiden.
Anstatt sich darüber zu freuen, daß seine Frau, die sich früher trunkene Orgien mit Dienstboten und käuflichen Männern geleistet hatte, nun von diesen sündhaften Gewohnheiten abgelassen hatte und sogar bemüht war, ihn ebenfalls dazu zu bringen, zeigte dieser Ehrenmann von einem Ehegatten sie voller Wut über die ohne seine Zustimmung erfolgte Scheidung bei Gericht als Christin an.
Damals legte die Frau Dir, Herr, eine Denkschrift vor, in der sie vor allem um die Erlaubnis bat, ihre Güter verwalten und sich anschließend, wenn sie ihre Angelegenheiten klug geordnet hätte, gegen der Anklage verteidigen zu dürfen, und du hast ihr das zugestanden.
Da der Ehemann nicht mehr gegen die Frau handeln konnte, richtete er seine Anklage gegen einen gewissen Ptolemäus, ihren Lehrer im christlichen Glauben. Dabei schlug er die folgende Taktik ein: er überredete einen befreundeten Zenturio, der den Ptolemäus ins Gefängnis gebracht hatte, ihn sich überraschend vorzunehmen und ihm diese einfache Frage zu stellen: „Bist du Christ?".
Aufrichtig und ohne jede Ausflüchte gab Ptolemäus das zu, und so ließ der Zenturio ihn in Ketten werfen und im Kerker lange Zeit foltern. Als dieser Mann schließlich dem Urbicus vorgeführt wurde, stellte man ihm dieselbe Frage, also ob er Christ sei.. Und erneut bekannte Ptolemäus im Bewußtsein um das Gute, das ihm durch die Lehre Christi entstand, er sei Lehrer der göttlichen Tugend.
Tatsächlich kommt es vor, daß jemand grundsätzlich die Unwahrheit sagt; oder jemand sagt sie, weil er die Wahrheit nicht schätzt, oder er leugnet, sie zu kennen, weil er denkt, er sei ihrer unwürdig und weit davon entfernt, die darin begründeten Pflichten zu verwirklichen - aber nichts davon sagt man ernsthaften Christen nach.
Als Urbicus befahl, den Ptolemäus zur Vollstreckung des Todesurteils zu führen, rief ein gewisser Lucius, auch er Christ, angesichts des Irrsinns eines derart geführten Prozesses dem Urbicus zu: „Aus welchem Grund hast du diesen Mann zum Tod verurteilt? Er hat keinen Ehebruch begangen, auch hat er niemanden ermordet, beraubt oder sonst ein Verbrechen begangen, sondern nur bekannt, Christ zu sein! Deine Art Recht zu sprechen, Urbicus, ist unwürdig des Kaisers Antoninus Pius, ist unwürdig des Sohnes Cäsars, des Freundes der Weisheit, und schließlich auch unwürdig des heiligen Senats!"
Ohne darauf eine Antwort zu geben sagte Urbicus zu Lucius: „Mir scheint, daß auch du Christ bist". Als Lucius dies eifrig bejahte, ließ Urbicus auch ihn zur Hinrichtung führen. Der Martyrer erklärte, dies sei eine Gnade für ihn, denn er wisse, er verlasse die Welt der Bösen um der Bleibe beim Vater im Himmel willen.
Und ein weiterer, der sich zu Christus bekannte, wurde ebenfalls zum Tod verurteilt." (aus St. Justinus, Apologia II, 2).

3.7. Das Martyrium des hl. Maximus unter Kaiser Decius (249 - 252)

Maximus war Christ und stammte aus Kleinasien, er ist nur aus dem Dokument seines Martyriums bekannt. Er hatte sich freiwillig als Christ zu erkennen gegeben: ein Verhalten, das von der Kirche nicht erwartet und auch nicht gebilligt wurde, aber er war mutig und bestand die Probe.

„Kaiser Decius wollte das Gesetz der Christen bekämpfen und ausrotten und erließ für den gesamten Erdkreis Edikte, mit denen er allen Christen gebot, den lebendigen und wahren Gott zu verlassen und den Dämonen zu opfern. Wer nicht gehorchen wollte, sollte dem Tod verfallen sein.
In jener Zeit erklärte Maximus, ein heiliger und dem Herrn treuer Mann, freiwillig und spontan, er sei Christ; er gehörte dem Stand der Plebejer an und trieb Handel. Er wurde verhaftet und vor den Prokonsul Optimus in Asien geführt.
Der Prokonsul fragte ihn: „Wie heißt du?".
Er antwortete: „Ich heiße Maximus".
Der Prokonsul fragte: „Zu welchem Stand gehörst du?".
Maximus antwortete: „Ich bin frei geboren, aber Diener Christi".
Der Prokonsul fragte dann: „Welche Tätigkeit übst du aus?".
Maximus antwortete: „Ich bin Plebejer und lebe von meinem Handel".
Der Prokonsul sagte: „Bist du Christ?".
Maximus gab zur Antwort: „Wiewohl ein Sünder, bin ich doch Christ".
Darauf sagte der Prokonsul: „Kennst du nicht die Dekrete der höchst unbesiegbaren Herrscher, die kürzlich veröffentlicht wurden?".
Darauf antwortete Maximus: „Welche Dekrete?".
Der Prokonsul erklärte: „Die, mit denen Anordnung erging, daß alle Christen, nachdem sie von ihrem eitlen Aberglauben Abstand genommen haben, den wahren Herrscher anerkennen, dem alles unterworfen ist, und seinen Göttern opfern sollen".
Maximus antwortete: „Ich habe von diesem ungerechten Edikt erfahren, das der Herrscher dieser Welt erlassen hat, und genau deshalb habe ich öffentlich erklärt, daß ich Christ bin".
Der Prokonsul gebot: „Opfere also jetzt den Göttern!".
Maximus erwiderte: „Ich opfere nur Gott allein, dem ich mich seit meiner Kindheit geweiht habe".
Der Prokonsul drängte: „Opfere, damit es dir wohl ergehe. Wenn du dich weigerst, wird es dir schlecht ergehen bei Foltern aller Art".
Maximus antwortete: „Genau das habe ich immer ersehnt: deswegen habe ich mich nämlich als Christ bekannt, um endlich das ewige Leben zu erlangen, wenn ich einmal aus diesem elenden irdischen Dasein erlöst bin".
Darauf ließ ihn der Prokonsul mit den Ruten schlagen und sagte zu ihm währenddessen: „Opfere, Maximus, um dich von diesen Foltern zu befreien!".
Maximus gab zur Antwort: „Es sind keine Foltern, sondern Salbungen, die man mir aus Liebe zu unserem Herrn Jesus Christus darbietet. Wenn ich mich nämlich von den Vorschriften meines Herrn entfernen würde, in denen ich durch sein Evangelium unterrichtet worden bin, dann würden mich die wahren und immerwährenden Foltern der Ewigkeit erwarten".
Dann ließ ihn der Prokonsul auf den Bock zerren und sagte eindringlich zu ihm, während er gefoltert wurde: „Bereue deine Dummheit, Elender, und opfere, um dein Leben zu retten!".
Maximus antwortete: „Nur, wenn ich nicht opfere, werde ich mein Leben retten. Wenn ich hingegen opfern würde, dann würde ich es gewiß verlieren. Weder die Ruten noch die Haken oder das Feuer werden mir Schmerzen bereiten, denn in mir lebt die Gnade Gottes, der mich in Ewigkeit retten wird mit den Gebeten aller Heiligen, welche im gleichen Kampf eure Torheit besiegt und uns vornehme Beispiele von großem Wert hinterlassen haben".
Nach diesen stolzen Worten verkündete der Prokonsul sein Urteil über ihn und sagte: „Die göttliche Güte hat Befehl gegeben, daß zur Abschreckung der anderen Christen der Mann gesteinigt werde, der seine Zustimmung zu den heiligen Gesetzen verweigert hat, die ihm auferlegten, der großen Göttin Diana zu opfern".
So wurde der Wettkämpfer Christi den Dienern des Teufels entrissen, während er Gott dem Vater durch Jesus Christus, seinen Sohn, dankte, der ihn würdig erachtet hatte, im Kampf den Dämonen zu besiegen.
Er wurde vor die Mauern geschleppt, von Steinen zerschmettert, und gab seinen Geist auf.
Der Diener Gottes Maximus erlitt das Martyrium in der Provinz Asien zwei Tage vor den Iden des Mai, während der Regierung des Decius und im Prokonsulat des Optimus, während unser Herr Jesus Christus herrschte, dem Ehre erwiesen wird in alle Ewigkeit. Amen." (Nach der „Leidensgeschichte" des Martyrers, in BHL (Bibliotheca Hagiographica Latina", II S. 852).

3.8. Das Martyrium der Heiligen von Scilio (in Numidien, nördliches Afrika)

Der Prozeß gegen die Christen von Scilio fand am 17. Juli des Jahres 180 statt, wenige Monate nach dem Amtsantritt des Kaisers Commodus; man kann ihn wohl als eine Folge der unter seinem Vorgänger Marcus Aurelius entfachten Verfolgungen ansehen. Im „prokonsularischen Afrika" hatte sich das Christentum wahrscheinlich schon seit etwa fünfzig Jahren ausgebreitet und hatte auch die kleineren Zentren erreicht: Scilio war eine Siedlung in Numidien.
Die Schilderung der Tatsachen - das Original ist in lateinischer Sprache abgefaßt - ist zeitgenössisch, vielleicht hat der christliche Kopierer dem Protokoll des Prozesses nur den letzten Teil hinzugefügt. Es handelt sich hier um das erste Zeugnis vom Blutzoll der Christen Afrikas für die Kirche und um das älteste bekannte Dokument der lateinischen christlichen Literatur.

„Unter den Konsuln Praesens - in seiner zweiten Amtszeit - und Claudianus, sechzehn Tage vor den Kalenden des August (am 17. Juli), wurden Speratus, Nartzalus, Cittinus, Donata, Secunda und Vestia dem Gericht vorgeführt.
Der Prokonsul Saturninus sprach zu ihnen: „Ihr könnt euch die Vergebung unseres Herrschers verdienen, wenn ihr auf die Wege der Rechtschaffenheit zurückkehrt".
Speratus antwortete: „Wir haben nichts Schlechtes getan, wir haben niemandem Unrecht zugefügt, über niemanden schlecht geredet, wir haben sogar immer Schlechtes mit Gutem vergolten. In diesen Dingen sind wir unserem Kaiser gehorsam".
Darauf sagte der Prokonsul Saturninus: „Auch wir sind gläubig, und unser Glaube ist einfach. Wir schwören beim Genius unseres Herrschers und richten Gebete für sein Wohlergehen an die Götter, und dies müßt auch ihr tun".
Speratus gab zur Antwort: „Wenn du mir in Ruhe Gehör schenkst, werde ich dir das Geheimnis der Einfachheit erklären".
Saturninus erwiderte: „Bei dieser Enthüllung, mit der du unsere Riten beleidigst, will ich dir nicht zuhören. Aber ihr schwört jetzt besser beim Genius unseres Herrschers".
Da antwortete Speratus: „Ich kenne die Macht dieser Welt nicht, aber ich bin Untertan des Gottes, den kein Mensch je gesehen hat, und den man auch mit den Augen nicht sehen kann. Ich habe niemals einen Betrug begangen, sondern zahle bei jedem Geschäft, das ich abschließe, den Tribut, weil ich meinem Herrscher und Kaiser der Könige aller Zeiten gehorche".
Prokonsul Saturninus sagte zu den anderen: „Steht ab von dieser Überzeugung".
Darauf gab Speratus zurück: „Das ist ein schlechtes System, mit dem Tod zu drohen, wenn man nicht das Falsche schwört".
Wieder sagte Prokonsul Saturninus: „Bleibt doch nicht weiter bei diesem Unsinn".
Cittinus sagte: „Wir müssen niemanden fürchten außer unserem Herrn, der im Himmel ist". Und Donata fügte hinzu: „Ehre sei dem Kaiser als Herrscher, Ehrfurcht gebührt allein Gott".
Vestia fuhr fort: „Ich bin Christin".
Secunda sagte: „Was ich bin, will ich auch sein".
Prokonsul Saturninus sagte zu Speratus: „Bleibst du dabei, dich als Christ zu bekennen?".
Speratus gab zur Antwort: „Ich bin Christ", und alle stimmten seinen Worten zu.
Prokonsul Saturninus fragte noch einmal: „Wünscht ihr etwas Zeit, um euch zu entscheiden?".
Speratus antwortete: „In einer so eindeutig richtigen Angelegenheit steht die Entscheidung schon fest".
Prokonsul Saturninus fragte dann: „Was ist da in eurer Schachtel?".
Speratus gab zur Antwort: „Bücher und Briefe des heiligen Paulus, eines gerechten Mannes".
Der Prokonsul sagte: „Ihr habt einen Aufschub von dreißig Tagen zum Nachdenken".
Speratus wiederholte: „Ich bin Christ", und alle stimmten mit ihm überein.
Prokonsul Saturninus verlas das Dekret mit dem Urteil: „Es wird angeordnet, daß Speratus, Nartzalus, Cittinus, Donata, Vestia, Secunda und alle die anderen, die erklärt haben, gemäß dem christlichen Glauben zu leben, enthauptet werden, denn obwohl ihnen die Möglichkeit angeboten wurde, zu den römischen Traditionen zurückzukehren, haben sie sich hartnäckig geweigert".
Speratus sagte: „Laßt uns Gott danken", und Nartzalus fügte hinzu: „Heute werden wir Martyrer im Himmel sein. Dem Herrn sei Dank gesagt!"
Prokonsul hieß den Ausrufer, das Urteil zu verkünden: „Speratus, Nartzalus, Cittinus, Veturius, Felix, Aquilinus, Laetantius, Januaria, Generosa, Vestia, Donata, Secunda sind zum Tode verurteilt".
Da sagten alle: „Gott sei Dank gesagt!", und sie wurden sogleich enthauptet für den Namen Christi." (aus den Akten der Martyrer von Scilio, erstmals veröffentlicht von C. Baronio in den „Annales Ecclesiastici" 1588 - 1607).


3.9. Die Martyrer von Alexandria während der Verfolgung des Decius (249 - 251)

(aus einem Brief des hl. Dionysius an Fabius, Bischof von Antiochia)

„Bei uns begann die Verfolgung nicht mit dem kaiserlichen Erlaß, sondern wurde noch um ein ganzes Jahr verzögert, bis jemand in unsere Stadt kam - wer immer das auch war -, der ein Netz von Betrug und Täuschung wob und die Menge der Heiden durch das Beleben des ursprünglichen Aberglaubens erregte und gegen uns aufbrachte.
Von diesem Menschen aufgepeitscht, und angestachelt, in zügelloser Freiheit jede Art von Ruchlosigkeit zu begehen, hielten sie es für einen einzigartigen Akt der Verehrung und des Kultes ihren Göttern gegenüber, uns umzubringen.
Das erste Opfer war ein Greis namens Metras, den sie verhafteten und versuchten, zur Gotteslästerung zu zwingen. Als er sich ihren Befehlen nicht beugten, schlugen sie ihn, durchbohrten ihm Gesicht und Augen mit angespitzten Rohren und brachten ihn dann in einen Vorort der Stadt und steinigten ihn.
Eine Frau mit Namen Quinta wurde vor den Altar der Götzen geführt, wo die Heiden versuchten, sie zu einem Akt der Verehrung zu zwingen. Als sie ihr Haupt mit dem Gefühl tiefen Abscheus zurückbeugte, fesselten sie die Frau und schleppten sie an den Füßen durch die ganze Stadt, wobei man sie auf den großen Steinen des harten Straßenpflasters aufschlagen ließ. Schließlich wurde sie in den nämlichen Vorort gebracht und gesteinigt.
Danach stürzten sich die Heiden alle gemeinsam auf die Häuser der Christen; sie stürmten die Wohnungen ihrer jeweiligen Nachbarn und verübten alle Arten von Raub und Plünderung. Die wertvollsten Sachen legten sie sorgfältig beiseite, das weniger Brauchbare oder Dinge aus Holz warfen sie durch die Fenster auf die Straßen und verbrannten sie.
Das Schauspiel, das sie boten, war wie bei einer von den Feinden eingenommenen Stadt. Die Brüder versuchten zu flüchten und sich zu verstecken, und mit Freude nahmen sie die Plünderung ihrer Güter auf sich, wie es auch die machten, für die der Apostel Paulus Zeugnis ablegt (Heb 10, 34).
Ich weiß nicht, ob es bei diesen Gelegenheiten, oder unter denen, die den Feinden in die Klauen geraten waren, jemanden gegeben hat, der Christus verleugnet hätte.
Ein anderes, sehr vornehmes Opfer war die greise Jungfrau Apollonia: die Heiden nahmen sie fest und schlugen ihr mit den Fäusten auf die Wangen, so daß ihr alle Zähne herausfielen. Vor der Stadt entzündeten sie dann ein Feuer und drohten ihr, sie würde lebendig verbrannt, wenn sie nicht zusammen mit ihnen die gottlosen Worte sprechen würde, aus denen die Botschaft der heidnischen Gotteslästerung besteht.
Die Frau aber bat sehr inständig, man möge ihr ein wenig Zeit lassen, und kaum hatte man sie losgelassen, sprang sie mitten in das Feuer und verbrannte.
Serapion wurde in seinem Haus verhaftet: er wurde harten Foltern unterzogen, alle Knochen wurden ihm gebrochen, und schließlich wurde er kopfüber aus dem Obergeschoß heruntergeworfen.
Man konnte durch keine Straße gehen, gleich ob breit oder eng, gleich ob nachts oder tagsüber, ohne immer und überall das Geschrei der Masse zu hören, und wenn jemand nicht gleich in den Chor ihrer gottlosen Worte einstimmte, wurde er durch die Straßen geschleppt und lebendig verbrannt.
Über eine lange Zeit blieb die Verfolgung derart heftig und wüst, bis der Aufstand und Bürgerkrieg, welche das vorherige Unheil ablösten, sogar dazu führten, daß die Heiden so grausam wie bisher uns gegenüber nun auch untereinander handelten.
Für eine Zeit lebten wir ruhig, und die Heiden legten in ihrem Haß uns gegenüber eine Pause ein; aber recht bald erreichte uns die Nachricht vom Wechsel der kaiserlichen Macht, die uns vorher so wohlgewogen war, und der Schrecken einer neuen Bedrohung unserer Gemeinde entflammte wieder mit äußerster Heftigkeit.
Es wurde das Edikt verkündet, das fast das schrecklichste aller von unserem Herr vorausgesagten war, und - so weit das möglich ist - erregte es sogar bei den Auserwählten Anstoß. Es ist klar, daß alle davon betroffen waren. Einige der bekanntesten Persönlichkeiten in der Stadt richteten sich aus Angst nach den Vorschriften des Edikts, andere, die öffentliche Ämter bekleideten, wurden durch ihre Stellung zum Gehorsam dem Edikt gegenüber gebracht, und wieder andere wurden von ihrem Familien dazu veranlaßt.
Namentlich aufgerufen näherten sich einige bleich und zittern den gottlosen Opfern und Sakrilegen, als ob sie nicht gingen, um ein Opfer darzubringen, sondern als ob sie selbst die für die Götzenbilder bestimmten Opfer wären. Unterdessen machte sich das Volk, das die heidnischen Altäre umdrängte, über sie lustig, weil sie deutlich ihre Furcht zeigten, gleichermaßen vor dem Tod wie vor dem Opfer.
Andere hingegen gingen keck zu den Altären und erklärten ganz frech, sie wären keine Christen und seien das auch in der Vergangenheit nie gewesen. Für sie wird sich die Voraussage des Herrn bewahrheiten, daß sie sich schwerlich retten werden.
Von den Übrigen schlossen sich einige der ersten Gruppe an, andere der zweiten, und wieder andere flohen. Unter denen, die verhaftet wurden, blieb ein Teil stark im Kerker und in den Ketten, in denen sie viele Tage gehalten wurden, aber dann schworen sie ab, bevor sie vor Gericht gestellt wurden; ein Teil widerstand auch noch für eine gewisse Zeit den Folterungen, aber am Ende schworen auch sie ab.
Andere Christen hingegen, starke und feste Säulen des Herrn, bezogen, von seiner Gnade gestärkt, Ausdauer und Kraft aus dem Glauben, der sie begeisterte und wurden wunderbare Zeugen seines Reiches." (Eusebius, Kirchengeschichte, VI, 40, 1 - 42, 6).

3.10. Der hl. Marinus, Zenturio unter Gallienus

Es mag ein wenig seltsam sein, von einem Martyrer unter Kaiser Gallienus (260 - 268) zu erfahren, denn dieser verfolgte die Christen gar nicht; vielmehr erleichterte er ihr Schicksal durch die Rücknahme der Edikte und erstattete ihre beschlagnahmten Güter wieder zurück, wie Eusebius an einer anderen Stelle des VII. Buches seiner Kirchengeschichte berichtet.
Tatsächlich fiel Marinus keiner organisierten Verfolgung zum Opfer, sondern der Rivalität eines Mitbewerbers in der militärischen Laufbahn.
Der Christ Marinus, adelig, reich und bereits ranghoher Offizier, erlebt vielleicht einen Augenblick des Zögerns bei der Anordnung des Richters, so sehr sogar, daß er die ihm zugestandene Überlegungszeit auch nutzt - im Unterschied zu vielen anderen, die unter ähnlichen Umständen entschlossen und sogleich das Martyrium auf sich genommen hatten. Aber nachdem sein Bischof die rechten Worte für ihn gefunden hat, ist jede Unsicherheit verschwunden.
Das Ereignis ist wichtig, weil daraus verständlich wird, daß auch außerhalb der „offiziellen" Verfolgungen die latenten Gründe für die Auseinandersetzungen zwischen der politischen, moralischen und religiösen Struktur des römischen Kaiserreichs und den Prinzipien des Christentums offen zutage traten.


„Während dieser Zeit, in der überall in den christlichen Kirchen Friede herrschte, wurde in Caesarea in Palästina Marinus enthauptet, nachdem er seinen Glauben an Christus bekannt hatte; er gehörte zu den hohen Dienstgraden der militärischen Hierarchie und war bekannt wegen seines Adels und seines Reichtums.
Der Grund für diese Verurteilung war folgender: bei den Römern gibt es ein Abzeichen, das wie eine Weinrebe geformt ist, und wer sich dies verdient hat, der wird Zenturio.
Da gerade eine Stelle frei war, wäre von Rechts wegen Marinus an der Reihe gewesen, aber als er gerade dabei war, diese Ehre zu erlangen, stellte sich dem Tribunal ein anderer vor und sagte, nach den alten Gesetzen sei es nicht erlaubt, daß Marinus irgendeine Auszeichnung der Römer erhielte, weil er Christ sei und den Göttern nicht opfere; deshalb stehe ihm - diesem anderen - der Posten zu und nicht Marinus.
Unter dem Eindruck dieser Aussage fragte der Richter - er hieß Achaeus - zunächst Marinus, welchem Glauben er angehöre. Und als er ihn sich standhaft zu Christus bekennen hörte, gestand er ihm drei Stunden Zeit zum Überlegen zu.
Als Marinus den Gerichtssaal verließ, rief ihn Theotechnos, der Bischof von Caesarea zu sich, begann mit ihm ein Gespräch, nahm ihn bei der Hand und führte ihn zur Kirche.
Als sie an dem heiligen Ort angelangt waren, begleitete der Bischof den Marinus nach vorn zum Altar, hob dessen Obergewand ein wenig hoch und zeigte ihm das dort befestigte Schwert. Daneben hielt er das Buch mit dem Evangelium und gebot ihm, zwischen diesen beiden Dingen nach seinem Gewissen zu wählen.
Ohne jede Unsicherheit nahm Marinus die göttliche Schrift in seine rechte Hand. „Bleibe immer auf der Seite des Herrn - sagte Theotechnos zu ihm - und du wirst das erlangen, was du erwählt hast. Gehe in Frieden, gestärkt durch seine Gnade".
Während Marinus die Kirche verließ, rief ihn der Ausrufer mit lauter Stimme vor das Gericht, denn die ihm für die Entscheidung gewährte Zeit war abgelaufen.
Vor dem Richter bewies Marinus größten Eifer beim Bekenntnis seines Glaubens, wurde so, wie er war, zum Richtplatz geführt und nahm das Martyrium auf sich.
Bei der Gelegenheit sei auch an den Freimut und den Glaubenseifer des Astirius erinnert; er stammte aus senatorischem Geschlecht, stand mit den Herrschern in herzlicher und freundschaftlicher Beziehung und war bei allen wegen seiner vornehmen Art und wegen seiner Besitztümer bekannt.
Er wohnte dem Martyrium des Marinus bei, und kaum war dies vollzogen, hob er den Leichnam auf, lud ihn sich auf die Schultern über sein glänzendes und kostbares Gewand, und trug ihn fort, um ihm ein ehrenvolles und seinem Stand entsprechendes Begräbnis zu bereiten" (Eusebius, Kirchengeschichte, VII, 15 ff.).

3.11. Das Martyrium des hl. Diakons Euplius, unter Diokletian im Jahr 304

Das Martyrium des Euplius, Diakon in Catania, ereignete sich im Jahr 304. Das geht einmal hervor aus der Angabe des Konsulats von Diokletian und Maximianus, und dann aus der Tatsache, daß der Christ zum Götteropfer aufgefordert wurde, wie es dem in diesem Jahr erlassenen IV. kaiserlichen Edikt angeordnet war.
Natürlich ist das Edikt gegen das Aufbewahren der heiligen Bücher noch in Kraft, der Hauptanklagepunkt gegen Euplius betrifft das Evangelium, das der Diakon aufbewahrte und voller Stolz vorgezeigt hatte.
Die Akten sind uns in einem kleinen lateinischen Text überliefert, eine Zusammenfassung des Protokolls bei der Verhaftung mit dem ersten Bekenntnis des Euplius sowie des Verhörprotokolls während der Folter.
Ein Satz aus dem 1. Kapitel (…stand der Diakon Euplius außerhalb des Vorhangs zum Amtsraum des Gouverneurs und rief: Ich bin Christ und sehne mich danach, für den Namen Christi zu sterben) läßt denken, er sei vielleicht nicht verhaftet, sondern spontan angezeigt worden, vielleicht während des Verhörs anderer Gläubigen. Diese Hypothese wird auch gestützt durch die Worte des Richters, der ihn den Schergen übergibt („Nachdem sein Bekenntnis offensichtlich ist…", Kap. 1) und der zum weiteren Vorgehen mehr durch die Haltung des Christen veranlaßt scheint als von dem Willen, ein Verhör durchzuführen.
 
„Während des neunten Konsulats des Diokletian und des achten des Maximianus, am Vortag der Iden des August, in der Stadt Catania, stand der Diakon Euplius vor dem Vorhang zum Amtsraum des Gouverneurs und rief: „Ich bin Christ und sehne mich danach, für den Namen Christi zu sterben".
Als Prokurator Calvisianus dies hörte, sprach er: „Die Person, die da gerufen hat, soll eintreten".
Als Euplius den Amtsraum des Richters betrat und die Evangelien mitbrachte, sagte Maximus, einer der Freunde des Calvisianus: „Es ist nicht erlaubt, diese Bücher gegen den kaiserlichen Befehl zu behalten".
Calvisianus fragte den Euplius: „Woher kommen diese Bücher? Kommen sie aus deinem Haus?".
Euplius antwortete: „Ich habe kein Haus. Das weiß auch mein Herr Jesus Christus".
Daraus sagte Prokurator Calvisianus: „Hast du sie hergebracht?".
Euplius erwiderte: „Ich habe sie hergebracht, damit du selbst sehen kannst. Man hat mich mit ihnen angetroffen".
Calvisianus befahl: „Lies sie vor!".
Euplius öffnete das Evangelium und las vor: „Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich", und aus einem anderen Teil: „Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir".
Während er diese und andere Abschnitte vorlas, fragte ihn Calvisianus: „Was ist das alles?".
Euplius entgegnete: „Das ist das Gesetz meines Herrn, das mir anvertraut worden ist".
Calvisianus fragte nach: „Von wem?"
Euplius gab zur Antwort: „Von Jesus Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes".
Calvisianus nahm noch einmal das Wort und sprach: „Nachdem sein Bekenntnis offensichtlich ist, soll er den Folterknechten übergeben und bei den Foltern verhört werden".
Als man ihn übergeben hatte, begann das zweite Verhör während der Foltern.
Während des neunten Konsulats des Diokletian und des achten des Maximianus, am Vortag der Iden des August, sprach der Prokurator Calvisianus zu Euplius, der gefoltert wurde: „Was wiederholst du jetzt von dem, was du in deinem Bekenntnis gesagt hast?"
Der Martyrer bezeichnete sich mit der freien Hand auf der Stirn mit dem Zeichen des Kreuzes und antwortete: „Was ich vorher gesagt habe, das bestätige ich jetzt: ich bin Christ, und ich lese die heiligen Schriften".
Calvisianus erwiderte: „Warum hast du diese Bücher, deren Lektüre die Kaiser verboten haben, nicht abgegeben, sondern bei dir behalten?"
Euplius sagte: „Weil ich Christ bin und es mir nicht erlaubt war, sie abzugeben. Für einen Christen ist es besser zu sterben als sie auszuliefern, denn in ihnen ist das ewige Leben. Wer sie abgibt, der verliert das ewige Leben, und um dieses nicht zu verlieren biete ich das meine an".
Calvisianus unterbrach das Verhör und verfügte: „Euplius, der entgegen den Edikten der Herrscher die Schriften nicht ausgeliefert hat, soll gefoltert werden".
Unter den Qualen sprach Euplius: „Ich danke dir, Christus. Behüte mich, weil ich dies alles für dich erleide!".
Calvisianus ermahnte ihn folgendermaßen: „Steh ab von diesem Irrsinn, Euplius. Bete die Götter an und du wirst frei sein!"
Euplius antwortete ihm: „Ich bete Christus an, die Dämonen verachte ich. Mache mit mir, was du willst, ich bin Christ. Schon lange Zeit habe ich mir das gewünscht. Tu, was du willst. Verschlimmere meine Qualen. Ich bin Christ".
Die Folterungen dauerten schon lange Zeit, als Calvisianus Befehl gab, damit aufzuhören, und er sagte zu dem Martyr: „Du Unglückseliger, bete die Götter an! Verehre Mars, Apollo und Äskulapius!"
Euplius erwiderte: „Ich bete den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist an. Ich bete die heiligste Dreifaltigkeit an, außer der es keinen anderen Gott gibt. Die Götter, welche den Himmel nicht erschaffen haben, die Erde und alles, was sie enthält, gehen zugrunde. Ich bin Christ".
Prokonsul Calvisianus drängte: „Opfere, wenn du frei sein willst!"
Euplius gab zur Antwort: „Gerade jetzt bringe ich mich selbst als Opfer dar für Christus, den Gott. Es gibt kein anderes Opfer, das ich darzubringen habe. Vergeblich versuchst du, mich zum Verleugnen meines Glaubens zu bewegen. Ich bin Christ".
Calvisianus gab Befehl, ihn weiter zu foltern, stärker noch, und Euplius sagte unter den Qualen: „Ich danke dir, Christus, hilf mir; Christus, für dich leide ich dies, Christus!"
Diese Anrufungen wiederholte er mehrmals, und als seine Kräfte nachließen, zunächst seine Stimme, sprach er nur mit den Lippen diese und andere Gebete.
Calvisianus ging in das Innere seines Amtsraumes, diktierte das Urteil, ging wieder hinaus und verlas das Protokoll, das er bei sich hatte: „Ich befehle, daß der Christ Euplius, welcher die Edikte der Herrscher mißachtet, die Götter lästert und dies alles nicht bereut, zum Tod durch das Schwert. Führt ihn zur Hinrichtung.".
Dem Martyrer wurde das Evangelium, mit dem man ihn bei seiner Verhaftung angetroffen hatte, an den Hals gebunden, und der Ausrufer verkündete beim Gehen: „Euplius, Christ, Feind der Götter und der Herrscher".
Und Euplius wiederholte immer wieder: „Dank sei Christus Gott!"
Am Richtplatz angekommen kniete er sich hin und betete lange. Dann dankte er Gott, bot seinen Hals dar und wurde vom Henker enthauptet.
Sein Leichnam wurde dann von Christen geborgen, einbalsamiert mit Duftstoff und begraben." (aus den Martyrerakten des Euplius in BHG „Bibliotheca Hagiographica Graeca, I, S. 192 - 193, Brüssel 1957).

3.12. Die vierzig Martyrer von Sebaste (Kleinasien)

Über diese Martyrer existieren Reden von Basilius und von Gregor von Nyssa, beide aus Kappadozien, und andere von Ephrem, dem Syrer; da diese Informanten in der Nähe des Schauplatzes des Martyriums beheimatet sind, sprechen diese Quellen mit besonderer Glaubwürdigkeit. Die Leidensgeschichte als solche kann keine besondere Autorität für sich in Anspruch nehmen, wohingegen das gemeinsame „Testament", das die Martyrer kurz vor ihrem Tod verfaßten, als authentisch angesehen wird. Sie gingen im Jahr 320 während der Verfolgung durch Licinius in den Tod.

„Sie gehörten zu einer Legion der Grenztruppen; es scheint sicher, daß es sich um die XII. Legion Fulminata (etwa: Blitzlegion) handelte, die an der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 beteiligt war und anschließend in den Osten nach Melitene in Kleinarmenien verlegt wurde.
Das Christentum hatte in dieser Legion bereits eine gewisse Tradition, denn schon im 3.Jhdt., vielleicht auch schon früher, waren Christen in ihren Reihen. Während der Stationierung in Armenien, wo es viele Christen gab, entstanden wohl noch weitere Verbindungen zu Christen, etwa durch Freundschaften oder durch Verwandtschaft. Ort des Martyriums ist Sebastia (das ist genauer als Sebaste) nördlich von Melitene, wo wahrscheinlich eine starke Abteilung der Legion stationiert war.
Die Vierzig waren noch recht jung, mehr oder weniger um die 20 Jahre alt; in ihrem „Testament", mit dem sie ihren Lieben einen letzten Gruß senden, grüßt nur einer seine Frau und den kleinen Sohn, einer seine Verlobte, alle anderen grüßen ihre noch lebenden Eltern - alles in allem dürften sie alle gerade dem Jugendalter entwachsen gewesen sein.
Als im Lager der Befehl des Licinius eintraf, die Soldaten hätten an den Götteropfern teilzunehmen, weigerten sie sich entschieden. Sie wurden sofort verhaftet, an eine gemeinsame genügend lange Kette gefesselt und in den Kerker geworfen.
Sie blieben über längere Zeit in Haft, wahrscheinlich, um von höheren Befehlsstellen oder - in Anbetracht der Schwere des Falles - sogar von Licinius selbst Anweisungen abzuwarten.. In dieser Zeit schrieben die Eingekerkerten, die ihr Ende nahen sahen, ihr gemeinsames „Testament" durch die Hand eines von ihnen, eines gewissen Meletius.
In diesem bedeutenden und zutiefst christlichen Dokument ermahnen die Todgeweihten ihre Verwandten und Freunde, nicht so sehr auf die vergänglichen Güter zu achten, sondern viel mehr auf die jenseitigen. Dann grüßen sie die Menschen, die ihnen am liebsten sind. Bezüglich ihrer sterblichen Überreste verfügen sie schließlich, in Voraussicht möglicher Dispute unter den Christen - die wegen der Reliquien von Martyrern in der Vergangenheit bereits vorgekommen waren -, daß ihre Leichname alle gemeinsam im Dorf Sarein in der Nähe der Stadt Zela beigesetzt werden sollten. Wie es die Regel ist, trägt das Testament die Namen aller vierzig Erblasser, und von dort wurden die Namen mit kleinen Abweichungen in der Schreibweise in andere Dokumente übertragen.
Als das Todesurteil eintraf, wurde darin als Todesart Erfrieren angeordnet: sie mußten in der Nacht, mitten im Winter und nackt auf einem gefrorenen Teich gestellt werden und dort ihr Ende abwarten. Es scheint, daß für die Hinrichtung ein weiter Hof von den Thermen von Sebaste gewählt wurde, wo die Verurteilten den neugierigen und mitleidigen Blicken der Öffentlichkeit ausgesetzt und zugleich von den Bediensteten der Thermen überwacht wurden.
In dem Hof gab es ein großes Wasserreservoir, eine Art Teich, der mit den Thermen verbunden war. Nach Basilius befand sich dieser Ort inmitten der Stadt, die Stadt habe sich an den Teich angeschlossen: vielleicht war das Wasserreservoir für die Thermen nichts anderes als ein Teil des eigentlichen, sich nach außen erstreckenden Teichs.
Später wurde am Ort des Martyriums eine Kirche errichtet, und wie es scheint, hat Gregor von Nyssa seine Ansprachen zu Ehren der Martyrer genau hier gehalten.
Auf der Eisfläche, dazu bei sehr niedrigen Temperaturen, müssen die Leiden dieser nackten Körper schrecklich gewesen sein. Um die Qualen der Opfer noch zu verstärken wurde der Eingang zu den Thermen gut sichtbar offengelassen, aus dem zusammen mit dem Licht die Dampfschwaden des Warmwasserbeckens heraustraten. Für die Leidenden war dies ein Anblick von großer Verführungskraft, denn nur wenige Schritte hätten gereicht, um aus der Pein heraus in das Leben zurückzukehren, das mit jeder Minute mehr aus ihrem Körper entwich. Aber mitten dazwischen lag ein unübersteigbares Hindernis: der unsichtbare Christus, den sie damit hätten verleugnen müssen.
Die Stunden verstrichen in schrecklicher Eintönigkeit: keiner der zum Tod Verurteilten entfernte sich von seinem eisigen Standort; der Aufseher der Thermen wohnte verblüfft dem Schauspiel bei. Auf einmal schleppte sich einer der Verurteilten, von Qualen überwältigt, in Richtung des erleuchteten Eingangs. Aber sobald in die warmen Dämpfe einhüllten, starb er - ein normales physiologisches Phänomen. Als der Aufseher dies sah, entschloß er sich in plötzlicher Begeisterung, an die Stelle des Kleinmütigen zu treten und die Zahl vierzig wieder zu vervollständigen: er legte seine Kleider ab, bekannte sich zum christlichen Glauben und begab sich auf das Eis zu den anderen Verurteilten.
Das Licht des erwachenden Tages fiel auf eine ganze Reihe von Leichnamen. Nur einer war noch lebendig: es war der jüngste, der nach einigen Dokumenten Meliton hieß. Dieser hartnäckige Lebensfunke erschreckte seine Mutter, eine Christin von bewundernswertem Glauben; sie war dabei, als die Leichname auf einen Karren geladen wurden, der sie zur Verbrennung transportieren sollte. Als sie sah, daß ihr Sohn abseits gelegt wurde, da er noch lebte, nahm sie ihn in ihre Arme und lud ihn selbst auf den Karren, damit ihr Kind nicht der gemeinsam errungenen Krone beraubt würde. Die Arme, sie ihn vor einigen Jahren noch zum Stillen gehalten hatten, verhalfen ihm nun zum Triumph des Wettkämpfers. Und in den Armen seiner Mutter hauchte der Jüngling sein Leben aus.

In einigen Dokumenten trägt der bekehrte Aufseher den Namen Aglaios. Untersuchungen und Textvergleiche der verschiedenen Quellen haben zu dem Gedanken geführt, daß der Schwachgewordene, der aufgab und an den Schwellen der Thermen starb, jener Meletius gewesen sein könnte, der das „Testament" geschrieben hatte - aber dies ist nur eine Vermutung.
Wenn der Bericht auch in einigen Details Zweifel aufkommen läßt, so kann er doch in seinen wesentlichen Aussagen als gesichert gelten.
Im Osten war die Verehrung der Vierzig Martyrer recht verbreitet, aber auch im Westen spricht von ihnen am Ende desselben Jahrhunderts Gaudentius von Brescia. In Rom stellt ein Fresko aus dem 7.-8.Jhdt. ihr Martyrium dar, es befindet sich im Oratorium neben der Kirche S. Maria Antiqua im Forum Romanum."
(aus: Giuseppe Ricciotti, L'Era dei Martiri, S. 268 - 270)

3.13. Ungeachtet seiner 120 Lebensjahre gekreuzigt: das Martyrium des hl. Simeon

„Als in Palästina der hl. Simeon, Bischof von Jerusalem, für seinen Glauben in den Tod ging, waren nicht die Befehle des Kaisers Trajan (im Antwortschreiben - „Reskript" - des Kaisers an Plinius) die Ursache seines Martyriums, sondern die Verfolgung der Juden. Der Historiker Hegesippos, gut informiert über das Geschehen in Palästina, berichtet, daß der hl. Bischof etwa im Jahr 117 von mißgünstigen abtrünnigen Juden als zum Geschlecht Davids gehörig und als Christ angeklagt wurde.
Die Judenverfolgung, verursacht vor allem durch Aufruhr und allgemeine Tumulte, traf Simeon, den Sohn des Cleophas, im Alter von 120 Jahren. Als Verwandter des Herrn, so schreibt Eusebius, „wurde er viele Tage lang schlimmsten Foltern ausgesetzt, beteuerte aber immer wieder in aller Festigkeit seinen Glauben an Christus. Der Prokonsul Atticus und alle Anwesenden bewunderten die außerordentliche Stärke, mit der dieser Greis von 120 Jahren derartigen Qualen widerstand; schließlich wurde er auf Anordnung des Richters gekreuzigt" (Eusebius, Kirchengeschichte, III, 32, 1-6).

3.14. „Die Raubtiere sind bereit…": das Martyrium des hl. Polykarp

Das Martyrium des hl. Polykarp ist einer der ältesten „Leidensberichte". Polykarp, Jünger des Apostels Johannes, wurde Bischof von Smyrna in der heutigen Türkei, damals eine der bedeutendsten Christengemeinden.

„In Smyrna wurde im Jahr 155 diese Ablehnung deutlich beim Martyrium des Bischofs Polykarp, das durch aufgepeitschte Volksmassen verursacht wurde. Der Stadtbeamte Herodes veranlaßte die Inhaftierung des Bischofs, der sich unterdessen aus der Stadt entfernt hatte. Herodes ließ ihn in das Stadion bringen und versuchte dort, ihn zum Verleugnen seines Glaubens zu bewegen:
- Denke an dein Alter und schwöre beim Genius Cäsars, überwinde dich doch wenigstens einmal, Tod den Gottlosen zu rufen.
- Ja, mögen die Gottlosen sterben!
- Schwöre, und ich lasse dich frei; fluche dem Christus.
- Seit 86 Jahren diene ich ihm nun schon, und er hat mir nie Schlechtes getan; wie kann ich da meinem König und Erlöser fluchen?
- Die Raubtiere sind bereit, und wenn du dich nicht eines anderen besinnst, werfe ich dich ihnen vor.
- Rufe sie nur! Wir Christen wollen nicht, daß jemand vom Guten zum Bösen wechselt, sondern wir halten uns für verpflichtet, uns von der Sünde zur Gerechtigkeit zu bekehren.
- Wenn du dich nicht um die wilden Tiere kümmerst, und wenn du bei deiner Überzeugung bleibst, dann werde ich dich verbrennen lassen.
- Du drohst mir mit einem Feuer, das eine kurze Zeit brennt und dann verlöscht. Man sieht, daß du das Feuer des zukünftigen Gerichts nicht kennst, das Feuer ewiger Qual, das den Gottlosen bestimmt ist. Was zögerst du noch? Tu, was du willst.
Das sagte er mit Mut und Gelassenheit, und dabei strahlte aus seinem Gesicht eine solche Gnade, als ob nicht ihm, sondern dem Prokonsul der Prozeß gemacht würde. Als er für den Scheiterhaufen bereit gemacht wurde, fesselte man ihm die Hände hinter dem Rücken wie einem Widder, der aus einer großen Herde für das Opfer, für das Gott gefällige Brandopfer ausgesucht worden war. Mit erhobenen Augen betete er:
- Ich preise dich, Herr, allmächtiger Gott, weil du mich an diesem Tag und in dieser Stunde würdig machst, zur Zahl der Martyrer zu gehören und teilzuhaben am Kelch Christi, um in der Unvergänglichkeit des Heiligen Geistes zum ewigen Leben der Seele und des Leibes aufzuerstehen.
Als er sein Gebet beendet hatte, wurde der Scheiterhaufen angezündet, aber die Flammen bogen sich wie ein vom Wind geblähtes Segel und umgaben den Körper des Martyrers wie eine Mauer. Er stand mitten darin, nicht wie ein verbrennender Körper, sondern wie ein Brot, das beim Backen goldbraun wird, wie Gold und Silber, die im Schmelztiegel geläutert werden; man verspürte einen Wohlgeruch wie von Weihrauch oder einen anderen kostbaren Duft. An Ende tötete ihn ein Henker mit dem Schwert". (aus dem „Martyrium Polycarpi" 9,3; 21, der ältesten Martyrerakte).

3.15. „Warum lächelst du?" - das Martyrium von Carpus, Papilus und Agatonis

In Pergamon (Kleinasien) starben damals der Bischof Carpus, sein Diakon Papilus und die Christin Agatonis, eine gottesfürchtige Hausfrau und Mutter, als Martyrer. Während des Prozesses erklärte Carpus:
„Ich bin Christ und kann deshalb nicht tun, was ihr tut".
Der Prokonsul sagte: „Opfere den Göttern, oder was willst du sagen?"
Carpus antwortete: „Es ist unmöglich, daß ich ein Opfer darbringe, ich habe nämlich noch nie den Götterbildern geopfert".
Sofort ließ ihn der Prokonsul an einen Pfahl anbinden und schinden. Der Martyrer rief: „Ich bin Christ!". Nachdem man ihn lange Zeit geschunden hatte, verließen ihn seine Kräfte, und er konnte nicht mehr sprechen. Also ging der Prokonsul zum nächsten über. Noch vor der Aufforderung zum Opfern sagte Papilus stolz: „Seit meiner Jugend habe ich immer Gott gedient, und weil ich Christ bin, habe ich den Götterbildern niemals geopfert. Für mich gibt es nichts Größeres und Schöneres, als mich für den lebendigen und wahren Gott als Opfer darzubringen".
Die Henker lösten sich bei den Foltern ab, er jedoch gab keine Klage von sich: „Ich spüre die Folterqualen nicht - sagte er -, sie existieren nicht für mich. Denn in mir ist jemand, der das Leid auf sich nimmt, du kannst ihn nicht sehen".
Schließlich wurden sowohl der Bischof als auch der Diakon dazu verurteilt, lebendig verbrannt zu werden. Die Knechte des Bösen beraubten zunächst den Papilus seiner Kleider und schlug ihn an ein Kreuz, dann richteten sie den Pfahl auf. Dann stiegen die Flammen höher, und ruhig betend gab der Martyrer seine Seele Gott zurück. Nun war die Reihe an Carpus, und als die Umstehenden ihn lächeln sahen, fragten sie ihn: „Warum lächelst du?"
„Ich habe die Glorie des Herrn gesehen und bin voller Freude. Gepriesen bist du, Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, weil du mich Sünder deines Schicksals würdig gemacht hast.
Unter den Zuschauern stand eine Frau namens Agatonis. Als sie Carpus in die Betrachtung der Glorie des Herrn versunken sah, begriff sie, daß dies ein Ruf des Himmels war und rief mit lauter Stimme:
„Dieses Festmahl ist auch für mich bereitet, ich soll ebenfalls daran teilnehmen, ich will diese Ruhmesspeise kosten".
Von allen Seiten redete man laut auf sie ein, sie solle doch Erbarmen mit ihrem Sohn haben. Aber die Heilige gab zur Antwort: „Er hat Gott, und der wird sich seiner annehmen".
Sie legte nun ihren Mantel ab, und alle waren von ihrer Schönheit betroffen. Jubelnd legte sie sich auf den Pfahl. Die Anwesenden konnten ihre Tränen nicht zurückhalten und riefen: „Ein schreckliches Urteil, und ungerechte Dekrete!"
Von Flammen umzüngelt rief Agatonis dreimal: „Herr, Herr, Herr, komm mir zu Hilfe, zu dir habe ich meine Zuflucht genommen!"
Dann gab sie ihre Seele Gott zurück und vollendete ihr Martyrium unter den Heiligen. Die Christen nahmen im geheimen ihre sterblichen Reste und hüteten sie zur Ehre Christi und zum Ruhm der Martyrer".
In Asien nahm damals auch Sagaris, Bischof von Laodicäa, das Martyrium auf sich. (Eusebius, Kirchengeschichte, IV, 26)

3.16. „Ich beweise Freude am Leben": das Martyrium des „heiligen und edelsten Apostels Christi" Apollonius

Apollonius, Mitglied des römischen Senats, war im Volk wegen seines gesellschaftlichen Standes und für seine tiefe Kultur wohlbekannt. Wahrscheinlich auf Anzeige eines seiner Sklaven wurde er vom Richter aufgefordert, sich vor dem Senat zu rechtfertigen. Dort „verteidigte er seinen Glauben - schreibt Eusebius von Cäsarea - in einer wahrlich geschliffenen Rede", wurde aber trotzdem zum Tod verurteilt.
Der Prokonsul Perennius wollte Apollonius mit Rücksicht auf dessen Adel und ausgezeichneten Ruf retten, wurde aber durch das Dekret des Kaisers Commodus (etwa 185) gezwungen, das Todesurteil zu fällen.
Hier seien einige Abschnitte des Prozesses wiedergegeben, in denen der Martyrer seine Liebe zum Leben bekräftigt, an die moralischen Normen erinnert, welche die Christen vom Herrn Jesus erhalten haben, und seiner Hoffnung auf das zukünftige Leben zum Ausdruck bringt.


„Apollonius: Die menschlichen Dekrete können das Dekret Gottes nicht außer Kraft setzen: Je mehr Gläubige ihr tötet, desto größer wird durch Gottes Wirken ihre Zahl. Wir finden es nicht hart und schwer, für den wahren Gott zu sterben, denn was wir sind, das sind wir durch ihn. Um nicht eines schlimmen Todes zu sterben ertragen wir dies alles standhaft, denn mögen wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn.
Perennius: Apollonius, mit diesen Vorstellungen beweist du, daß du Lust zu sterben hast!
Apollonius: Ich beweise Lebensfreude, aber eben aus Liebe zum Leben fürchte ich den Tod nicht. Es gibt zweifelsohne nichts Kostbareres als das Leben, aber damit meine ich das ewige Leben, das Unsterblichkeit für die Seele bedeutet, die in diesem irdischen Dasein gut gelebt hat.
Das Wort Gottes, unser Erlöser Jesus Christus „hat uns gelehrt, den Zorn zu bezähmen, das Sehnen zu mäßigen, die Begierde abzutöten, die Schmerzen zu überwinden, offen und gemeinschaftsbewußt zu sein, die Freundschaft zu fördern, unsere Ruhmsucht zu bekämpfen, uns nicht zu rächen an den uns Übelgesinnten, um des Gesetzes Gottes willen den Tod zu mißachten, nicht Beleidigung mit Beleidigung zu vergelten sondern sie zu ertragen, an die von ihm gegebenen Gesetze zu glauben, den Kaiser zu ehren, allein den unsterblichen Gott zu verehren, an die Unsterblichkeit der Seele zu glauben und an das Gericht nach dem Tod, auf den Siegespreis für die Opfer um der Tugend willen zu hoffen, den der Herr nach der Auferstehung all denen gewähren wird, die heilig gelebt haben.
Als der Richter das Todesurteil verkündete, sagte Apollonius: Ich danke meinem Gott, Prokonsul Perennius, zusammen mit allen, die ihn, seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus und den Heiligen Geist als den allmächtigen Gott anerkennen, auch für dieses Urteil, das für mich Quelle des Heils ist".
Apollonius wurde Sonntag, 21. April 183 in Rom enthauptet. Seinen Tod kommentiert Eusebius folgendermaßen: „Der von Gott sehr geliebte Martyrer war ein heiliger Streiter Christi, der den Martertod mit reiner Seele und glühendem Herzen auf sich nahm. Wenn wir seinem leuchtenden Beispiel folgen, stärken wir durch den Glauben unsere Seelen".
Von Eusebius erfahren wir auch, daß der Ankläger des Apollonius dazu verurteilt wurde, daß seine Beine zerschmettert wurden - wie das später auch dem Ankläger des zukünftiges Papstes Callixtus geschah. Nach einer kaiserlichen Anordnung nämlich, die Tertullian (Ad Scap. IV, 3) dem Marcus Aurelius zuschreibt, sollten die Ankläger der Christen zum Tod verurteilt werden. Die im vergangenen Jahrhundert entdeckten Martyrerakten des Apollonius existieren heute in einem armenischen und einem griechischen Original sowie in verschiedenen modernen Übersetzungen. (aus den „Akten der alten Martyrer", von Eusebius verwendet in Kirchengeschichte, V, 21).

3.17. Die Perlen der Kirche werden von den Schweinen zertreten. Martyrium des Pionius

Pionius wurde in Smyrna (Türkei) verhaftet, während er gerade mit Sabina, Asclepiades, Macedonia und Linnus das Jahrgedächtnis des hl. Polykarp feierte. Sie hatten gerade das heilige Brot zu sich genommen und waren dabei, ihre Gebete zu beenden, als der Tempelhüter Polemon mit den Schergen kam, die den Auftrag hatten, die Christen festzunehmen und sie zum Götteropfer und zum Genuß geopferten Fleischs zu führen.
„Ohne Zweifel - fuhr Polemon sie an - kennt ihr das Dekret des Kaisers, in dem er euch befiehlt, den Göttern zu opfern".
Pionius antwortete: „Wir kennen das Gebot Gottes, das uns befiehlt, ihn allein anzubeten. Ihr Männer von Smyrna, die ihr euch voller Stolz auf eure Stadt rühmt, auch Homer zu euren Mitbürgern zu zählen, ihr lacht über die Apostel; verspottet lieber diejenigen, die freiwillig oder unter Zwang zum Opfern gehen. Ihr solltet den Rat eures Homer befolgen, nach dessen Aussage es gottlos ist, sich über den lustig zu machen, der vor dem Tod steht. Leben ist süß, aber wir sind auf der Suche nach einem besseren Leben. Das Licht ist schön, aber wir sehnen uns nach dem wahren Licht. Ich weiß, daß die Erde schön ist, aber es ist Gott, der sie gemacht hat. Wir weisen sie nicht aus Abscheu oder Mißachtung zurück, sondern weil wir besseren Gütern den Vorzug geben."
Sabina lächelte, und auf die Frage von Polemon und seiner Gefolgsleute, ob sie damit zufrieden sei, antwortete sie: „Gewiß, durch die Gnade Gottes sind wir Christen. Die an Christus glauben sind sicher, daß sie zur ewigen Glückseligkeit gehen".
Darauf die anderen: „Die Frauen, die sich weigern, zu opfern, müssen sich auf das Bordell gefaßt machen; stört dich das nicht?" - „Der Gott der Heiligkeit wird über mich wachen", antwortete Sabina.
Zu denen, die vom Glauben angefallen waren und ihn im Gefängnis besuchten, sagte Pionius: „Ich spüre einen Schmerz, der mir das Herz zerreißt, wenn ich sehe, wie die Schweine die Perlen der Kirche, die vom Himmel auf die Erde gefallen sind, zertrampeln, wenn ich sehe, wie der Weinberg, den die Rechte des Herrn gepflanzt hat, vom Wildschwein verwüstet wird. Satan hat die Erlaubnis, uns wie Korn auf dem Sieb zu schütteln, und das Wort Gottes hält einen glühenden Dreizack in der Hand, um die Tenne zu reinigen, und er ist in seiner Barmherzigkeit bereit, euch von neuem aufzunehmen".
Holz wurde herbeigebracht und in Bündeln um die Verurteilten aufgehäuft. Pionius schloß seine Augen, und das Volk dachte schon, er sei gestorben, aber er betete schweigend. Am Ende seiner Gebete öffnete er die Augen wieder, und die Flammen schlugen hoch. Mit unbeschreiblicher Freude im Antlitz sagte er: „Amen, Herr, nimm meine Seele auf!" Und mit einem leichten Seufzen starb er ohne Schmerzen." (Eusebius, Kirchengeschichte, IV, 15).

3.18. Martyrer über Martyrer

„In Kleinasien starb im Jahr 250 Acacius, Bischof von Antiochia in Pisidien, den Glaubenstod. Ihn versuchte der Legat des Kaisers Decius folgendermaßen zu umgarnen:
„Du lebst unter dem Gesetz Roms, folglich liebst du unsere Fürsten".
„Niemand liebt den Kaiser mehr als wir - antwortete Acacius darauf - denn wir richten unaufhörlich unsere Gebete an Gott um ein langes Leben für ihn, in dem er die Völker gerecht und in Frieden regiere. Wir beten auch für das Wohl der Soldaten und für das Blühen des Reiches und der Welt, aber der Kaiser kann von uns nicht verlangen, daß wir opfern".
Maximus, ein einfacher Mann, der einem kleinen Handel nachging, wurde verhaftet und vor den Prokonsul für Asien geführt. Er ertrug im Namen des Herrn die Foltern und erachtete sie als wohltuend wie Balsam im Vergleich zu den ewigen Qualen:
„Wenn ich den Geboten meines Herrn untreu würde - sagte er - und dem Evangelium nicht folgte, dann würde ich mein Leben verlieren… Ich spüre weder die Ruten, noch die eisernen Krallen, und auch nicht das Feuer, denn in mir ist die Gnade Christi".
In Nicomedia, ebenfalls in Kleinasien, wurden zwischen 250 und 251 der hl. Lucianus - zunächst „Verfolger", dann „Verkünder" - und der hl. Marcianus, der sich vom Anhänger der falschen Götter zur Verehrung des wahren Gottes bekehrt hatte, lebendig verbrannt.
Auch in Ägypten gab es viele Martyrer. Dionysius von Alexandria schreibt, daß die Verfolgung hier nicht erst mit dem kaiserlichen Edikt ausbrach, sondern bereits ein Jahr zuvor. Als ersten traf es einen Greis namens Metras, dem befohlen wurde, Gotteslästerungen auszusprechen. Metras weigerte sich, wurde heftig geschlagen, und in sein Gesicht und seine Augen trieb man angespitzte Rohre; schließlich wurde er in die Vorstadt geschleift und dort gesteinigt.
Dann wurde eine gewisse Quinta ergriffen und zum Tempel gebracht, um dort zu opfern. Sie weigerte sich energisch und wurde, an den Füßen aufgehängt, durch die Straßen der Stadt geschleift und schließlich gesteinigt. Die Wohnungen der Christen wurden verwüstet, die wertvolleren Dinge daraus geraubt, weniger Wertvolles auf die Straße geworfen oder verbrannt. Auf diese Weise glich Alexandria einer im Sturm eingenommenen Stadt.
Apollonia, einer heiligen und schon etwas älteren Jungfrau wurde das Gesicht dermaßen zerschlagen, daß sie ihre Zähne verlor. Man drohte, sie auf den Scheiterhaufen zu schicken, wenn sie sich weigern würde, Gotteslästerungen auszustoßen; sie erbat sich einen Augenblick des Nachdenkens und sprang dann freiwillig in die Flammen. Serapion wurde in seinem eigenen Haus eingesperrt, auf jede Weise gefoltert und am ganzen Körper zerfleischt und dann vom höchsten Stockwerk herabgestürzt.
Julianus, der wegen seiner Arthritis weder gehen noch auf den Füßen stehen konnte, wurde von zwei anderen zum Gericht getragen. Der eine verleugnete sofort den Glauben, und der andere mit Namen Cronios mit dem Beinamen Eunus bekannte sich gemeinsam mit dem heiligen Greis Julianus zum Herrn. Ein Libyer mit Namen Felix war tatsächlich glücklich … über sein Glück, lebendig verbrannt zu werden! Epimachos und Alexander erlitten Kerkerhaft, die Folter mit den eisernen Haken, das Auspetschen und tausend andere Qualen, bis man sie schließlich in einen Kessel mit Löschkalk warf, wo sie verbrennend den Tod fanden. Vier christliche Frauen erlitten dasselbe Schicksal.
Dann traf es Heron, Attus und Isidor, alle drei Ägypter, und dazu einen fünfzehnjährigen Jungen namens Dioscoros. Der Richter begann mit dem Jungen, da er glaubte, mit diesem wegen seiner Jugend leichtes Spiel zu haben, aber dieser ließ sich weder von Versprechungen noch von Foltern besiegen. Dann ließ er die beiden älteren brutal geißeln, und nachdem er ihnen jede Qual hatte zufügen lassen, übergab er sie dem Feuertod. Der Richter bewunderte den Dioscoros wegen seiner weisen Antworten und wegen seiner Tapferkeit, so daß er ihm die Freiheit schenkte, um ihm, wie er sagte, Zeit zu geben, wieder zur Vernunft zu kommen.
Dionysius, Bischof von Alexandria folgte zunächst dem Beispiel Cyprians von Karthago und verbarg sich, wurde dann verhaftet, aber zu seinem Bedauern wieder freigelassen. Schließlich kehrte er nach Alexandria zurück, wo er über das hier wiedergegebene Schicksal der ägyptischen Martyrer berichten konnte.
Unter Decius wurde der große Origenes gefoltert und eingekerkert, der am Ende die Siegespalme der Martyrer erlangte. Trotz sehr vieler vom Glauben Abgefallener schlug der erste große Versuch fehl, die neue christliche Gesellschaft zu zerschlagen." (aus C. Riggi, Il messaggio dei primi martiri, S. 19 - 20).

3.19. Er bezeichnete sich mit dem Kreuzzeichen und gab seine Seele Gott zurück. Das Martyrium des Gärtners Conon

In Pamphylien, Kleinasien starb der greise Conon der Martyrertod, „Diener Christi ohne Bosheit, einfache Seele". Er stammte aus Nazareth in Galiläa, zog dann um nach Pamphylien in die Nähe von Magidos und führte dort ein sehr zurückgezogenes Leben. Er bebaute einen Garten und nährte sich von dem Gemüse, das dort wuchs.

Der Gouverneur: „Sag mir, guter Mann, von woher bist du? Wer sind deine Eltern, und wie heißt du selbst?"
Conon: „Ich stamme aus Nazareth in Galiläa, bin aber nicht verwandt mit Christus, den wir als Gott des Weltalls anerkennen und dem wir dienen wie unsere Väter und Söhne".
Der Tyrann: „Wenn du Christus anerkennst, warum dann nicht auch unsere Götter anerkennen?"
Conon: „Es wäre eine große Unverschämtheit, auf diese Weise den Gott des Weltalls zu lästern!"
Da befahl der Tyrann, ihn mit gefesselten Füßen zu seinem Karren zu jagen, und die Soldaten prügelten ihn mit Peitschen; er leistete keinerlei Widerstand, sondern sang die Psalmworte: Ich habe all mein Hoffen auf den Herrn gesetzt, der sich zu mir neigt und mein Gebet erhört.
Als seine Kräfte ihn verließen, stürzte er, erhob seine Augen zum Meister und betete dabei: „Herr Jesus Christus, nimm meine Seele auf".
Dann bezeichnete er sich mit dem Kreuzzeichen, und gleich danach starb er." (aus Synaxarium Ecclesiae Constantinopolitanae, coll. 495, 509).

3.20. Das Martyrium der Asketen Samonas und Gurias

In den ersten 19 Jahren seiner Regierung beeinträchtigte Diokletian den Frieden der Kirche nicht. Auf Betreiben des Galerius beschloß er dann jedoch, das Heer von Christen zu reinigen (im Jahr 297), die Kirchen und die heiligen Schriften zerstören und verbrennen zu lassen, die vornehmen Christen aus öffentlichen Ämtern zu entfernen und die Christen unter den Plebejern ihrer Freiheit zu berauben (im Jahr 303).
Aber bereits seit 289 gab es unter ihm Martyrer. Die beiden Martyrer Samonas und Gurias standen in Edessa, Kleinasien, vor Gericht. Gurias war ein in der Nähe von Edessa lebender Asket, Samonas war Laienchrist. Während der Verfolgung durch Galerius und Maximianus wurden sie verhaftet und vor den Präfekten Mysianus geführt. Beim Prozeß erklärten sie:

„Wir werden dem König der Könige im Himmel gehorchen, und seinem Christus, aber wir wollen uns nicht dem Willen der Sünde beugen. Wir werden nicht sterben, sondern leben, wenn wir den Willen Dessen tun, der uns erschaffen hat. Wenn wir hingegen deinen Fürsten gehorchen würden, dann würden wir in den Tod stürzen…"
Einige Tage danach sandte der Gouverneur Mysianus von Urhai aus nach Antiochia genaue Befehle: „Unsere Fürsten befehlen euch, den Göttern zu opfern, Weihrauch zu verbrennen und vor Zeus Wein auszugießen. Stellt euch ihrem Willen nicht entgegen, denn ihr werdet die Kraft nicht haben, den Foltern zu widerstehen, die euch erwarten."
Aber sie ließen sich nicht zum Aufgeben bewegen, und deshalb gab der Gouverneur dem Leontius den Befehl, sie an den Armen aufzuhängen und sie grausam zu strecken, und da ließ er sie von 9 Uhr vormittags bis nachmittags um 2 Uhr.
Ihr Widerstand war außerordentlich bemerkenswert. Weil die Henker selbst schließlich müde wurden, befahl er ihnen, abzulassen und sie in ein Gefängnis zu bringen, das man „dunkles Loch" nannte, wo wie von August bis Mitte November blieben. Dann befahl der Gouverneur, daß sie vor ihm erscheinen sollten, aber sie blieben hartnäckig: „Wir haben bereits unseren Glauben bekannt und werden davon nicht abstehen. Tue du nur, was dir befohlen wurde. Du hast Gewalt über unsere Körper, aber nicht über unsere Seelen".
Als sie sahen, daß der Gouverneur sehr geneigt war, sie zum Tod zu verurteilen, empfanden sie große Freude und sagten:
„Gelobt sei Der, der uns für würdig erachtet hat, jede Folterqual für den Namen Jesu Christi zu ertragen."
Sie kamen nun auf einem Hügel an, und der Henker ließ sie vom Karren herabsteigen. Sie waren voller Freude, als sie sahen, daß endlich der Tag ihrer Krone gekommen war. Sie erbaten ein wenig Zeit zum Beten, und der Henker gestand ihnen das mit den Worten zu: „Betet auch für mich wegen des Bösen, das ich vor Gott tue".
Beide beteten, und hinter ihnen erflehten der Scharfrichter und die Soldaten die Barmherzigkeit Gottes". (aus den „Akten der Martyrer von Edessa" in BHG Bibliotheca Hagiographica Graeca, I, 241).

4. Wie viele Martyrer gab es damals?

    Wie groß die Zahl der Martyrer damals war, vermag niemand genau zu sagen. Jedenfalls waren es sehr viele, sowohl vor als auch nach Konstantin, damit das Wort Christi wahr oder nicht hinfällig war. Zudem zeichneten sich bereits die Verfolgungen durch die Perser ab, in denen zwischen 309 und 438, z.B. unter Sapor II. und Bahram V. für ihren Glauben in den Tod gingen.
    Zu den bereits erwähnten Martyrern aus den drei ersten Jahrhunderten können beispielsweise die genannt werden, welche im Westen und im Osten in besonderer Weise die Geschichte des Kreuzes Christi mitgeschrieben haben; auch sie sind Modelle seines Sieges über die heidnische oder zum Heidentum neigenden Welt: die sieben Jungfrauen aus Galizien; Judith, die Witwe aus Kappadokien; Zenobius, Arzt und Priester; Panphilus, gelehrt und heilig; Cassianus, ein einfacher Schullehrer; der Plebejer Taracus und der adelige Probus; die bekehrte Kurtisane Afra und der arme Gastwirt Theodotus aus Ancyra usw.
    Ihr Beispiel ist für uns ein Ansporn zu christlicher Lebensführung, uns um die irdischen Güter zu kümmern, ohne dabei die himmlischen Werte aus den Augen zu verlieren, für die Verfolger zu beten und die Freude des Auferstandenen zu verbreiten, während wir noch in diesem sterblichen Leib weilen. Wir alle sind aufgerufen, Zeugen zu sein für das Evangelium, sei es auf dem Kalvarienberg der Krankheit oder bei den anderen Kreuzen des Alltags.
    In einem gewissen Sinn geschieht Christenverfolgung immer, und das muß auch gelten für das Zeugnis unserer Treue zu Christus und seiner Kirche.

5. Zum Abschluss

    Am Schluß und als Kommentar zu den Martyrerakten seien einigen Gedanken von Papst Johannes Paul II. über Bedeutung und Wert des Martyriums als „fortwährendes Zeugnis für die Liebe Christi und der Kirche, und als sprechenden Beweis für die Wahrheit des Glaubens" wiedergegeben. Darauf folgt eine Reflexion des Generaloberen der Salesianer Don Boscos, Don Juan Edmundo Vecchi, über die Radikalität und die Aktualität des Martyriums in der Kirche der Anfangszeit und heute.

DAS GEDENKEN DER MARTYRER,
fortwährendes Zeugnis für die Liebe Christi und der Kirche

    „Die Kirche des ersten Jahrtausends - so schrieb Papst Johannes Paul II. in „Tertio Millennio Adveniente" (Dem Großen Jubiläumsjahr 2000 entgegen, Apostolischer Brief über die Vorbereitung des Jubiläums vom 10.11.94, Nr. 43) - entstand aus dem Blut der Martyrer: „Sanguis martyrum - semen christianorum… Am Ende des zweiten Jahrtausends ist die Kirche erneut zur Martyrerkirche geworden. Das ist ein Zeugnis, das nicht vergessen werden darf".
    In der Verkündigungsbulle zum Jubiläumsjahr 2000 erinnert der Papst daran, daß „die Geschichte der Kirche eine Geschichte der Heiligkeit und des Martyriums ist… Darum muß die Kirche überall auf der Welt fest verankert bleiben im Zeugnis der Martyrer, und ihr Andenken eifrig verteidigen". Hier sei der Abschnitt der Bulle wiedergegeben, der vom Martyrium der Kirche in der Anfangszeit und in unserem Jahrhundert handelt.

    „Ein fortwährendes und heute besonders ausdrucksstarkes Zeichen für die Wahrheit der christlichen Liebe ist das Gedenken der Martyrer. Ihr Zeugnis soll nicht vergessen werden, denn sie haben durch die Hingabe ihres Lebens aus Liebe das Evangelium verkündet. Der Martyrer ist, besonders auch in der heutigen Zeit, ein Zeichen für die größte Liebe, die jeden anderen Wert einschließt. Seine Existenz widerspiegelt das letzte Wort Christi am Kreuz: „Vergib ihnen, Vater, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23, 34).
    Der Gläubige, der seine Berufung als Christ wirklich ernst nimmt, kann diesen Gedanken für sich nicht ausklammern, denn für das Christsein ist das Martyrium eine bereits von der Offenbarung vorhergesagte Möglichkeit. Die 2000 Jahre seit der Geburt Christi sind durch das fortwährende Zeugnis der Martyrer gekennzeichnet.
    Dieses zu Ende gehende Jahrhundert kennt eine große Zahl von Martyrern, umgekommen durch den Nazismus, den Kommunismus, aus Gründen der Rasse, der Volkszugehörigkeit. Menschen aller sozialen Schichten haben für ihre Zugehörigkeit zu Christus und der Kirche mit ihrem Blut bezahlt, oder haben mutig viele Jahre Gefängnis und Entbehrungen aller Art auf sich genommen, weil sie sich nicht einer diktatorischen Ideologie beugen wollten. Psychologisch gesehen ist das Martyrium der überzeugendste Beweis für die Wahrheit des Glaubens, der auch dem schlimmsten Tod ein menschliches Antlitz zu geben vermag und seine Schönheit auch in den härtesten Verfolgungen unter Beweis stellt.
    Durch die Gnadenfülle des kommenden Jubiläumsjahres können wir mit mehr Glaubenskraft einstimmen in den Lobgesang für den Vater: Te martyrum candidatus laudat exercitus. Denn dies ist die Heerschar derer, die „ihr Gewand weißgewaschen haben mit dem Blut des Lammes" (Apk 7,14). Darum muß die Kirche überall auf der Welt fest verankert bleiben im Zeugnis der Martyrer, und ihr Andenken eifrig verteidigen. Möge das Gottesvolk, durch das Beispiel dieser echten Glaubenshelden jeden Alters, jeder Sprache oder Nationalität im Glauben bestärkt, mit Vertrauen die Schwelle zum dritten Jahrtausend überschreiten. Und die Bewunderung ihres Martyriums möge sich in den Herzen der Gläubigen verbinden mit dem Wunsch, ihrem Beispiel dort und so, wie es die Umstände erfordern, mit der Gnade Gottes nacheifern zu können"

(da Incarnationis mysterium,n.13)

6. Martyrer sind radikale Zeugen

    „Martyrer sein, das bedeutet berufen sein. Nicht der Richter oder der Henker ist es, der jemanden zum Martyrer, zum großartigen Zeugen macht, sondern der Hl. Geist. Wie jede Berufung bringt auch das Martyrium eine Dimension christlicher Existenz zum Ausdruck, die allen Berufungen gemeinsam ist". Dies ist der rote Faden der folgenden Betrachtung über die Notwendigkeit, die Aktualität und die Radikalität des Martyriums, und über seine Anziehungskraft besonders für die Jugend heute.

    „In seiner Osterbotschaft an die Welt im Jahr 1998 hat der Papst in einmaliger Weise die Auferstehungszeugen des Evangeliums neben die Martyrer unserer Zeit gestellt. Eine der Initiativen für das Jubiläumsjahr ist die Erstellung eines Martyrologiums des 20.Jhdts., also eines Verzeichnisses all derer, die von 1900 an bis in unsere Tage für den Glauben getötet wurden. Die Bischofssynoden Afrikas, Amerikas und Asiens haben das Martyrium und das Gedenken der Martyrer zu den wichtigsten Punkten des christlichen Lebens heute und der neuen Evangelisierung gezählt. Des christlichen Lebens, nicht nur der christlichen Geschichte! Die Martyrer sind nicht bloß „Ruhm" und „Beispiel", sie sind ein lebendiger Hinweis auf eine Dimension des Christseins: das Zeugnis für Christus und für das wahre Leben.
    Der Begriff Martyrium bedeutete ursprünglich die Aussage eines Zeugen, schriftlich, unter Eid und mit Beweiskraft; somit war dies das Höchste an Glaubwürdigkeit und an Wahrheitsgarantie, was jemand fordern konnte.
    Das Evangelium wendet dieses Wort auf Jesus an, der mit Worten und Taten, aber vor allem mit seinem Leiden und Tod Zeugnis ablegt für den Vater und für das wahre Leben. Er ist der Zeuge, der Martyrer schlechthin.
    Dann gebraucht das Evangelium diesen Begriff für diejenigen, die von der Auferstehung Jesu berichteten oder in der Folgezeit sie verkündeten. Das bedeutete, dem Scheitern ausgesetzt sein oder ausgelacht zu werden, gar getötet zu werden, wie es sich bereits am Beginn der Kirche mit dem Martyrium des hl. Stefanus zeigte.
    Jesus selbst verbindet das Bekenntnis seiner Jünger zu ihm mit dem Beistand des Hl. Geistes. „Sie werden euch vor die Gerichtshöfe schleppen… sie werden euch foltern… ihr werdet meine Zeugen sein vor ihnen und vor den Heiden… Sorgt euch nicht darum, was ihr sagen sollt, und wie. Nicht ihr werdet dann sprechen, sondern der Geist des Vaters wird in und durch euch sprechen" (Mt 10, 17 - 18.20).
    Recht früh, und dann immer weiter in der Geschichte bekam Martyrium den Sinn von Hingabe des Lebens in einem grausamen Tod als Zeugnis für den Glauben. Der Martyrer verteidigte sich nicht mit Argumenten, um seine Unschuld hinsichtlich der gegen ihn erhobenen Anklage zu beweisen. Er benutzte vielmehr die Gelegenheit, um von Christus zu sprechen, erklärte, warum der Glaube für ihn wichtig sei, bekannte seine Zugehörigkeit zur Gruppe der Christen. Er hatte sogar den Mut, Richtern und Henkern zu predigen, ihren Irrtum einzusehen und zur Vernunft zu kommen.
    Auch heute werden Menschen aus Glaubensgründen umgebracht. Das beweisen die sieben Mönche von Algerien und viele andere, Ordensleute und gläubige Laien, getötet, wenn und weil Integralismus und religiöse Ausdrucksformen pervertieren. Andere starben und sterben immer noch im Heer der Helfer der Nächstenliebe oder beim Bemühen um Versöhnung in ethnischen Konflikten, Bürgerkriegen oder Situationen allgemeiner Unsicherheit.
    Sehr häufig ist jedoch ein „menschlicher" Grund mit dem Glauben eng verknüpft. So richteten die ideologischen Regimes des 20.Jhdts. wahre Blutbäder an unter katholischen, protestantischen oder orthodoxen Gläubigen an unter der vorgeschobenen Anklage des Widerstandes gegen das Volkswohl, wegen subversiver Tätigkeit, wegen Begünstigung von Staatsfeinden. Da wurde noch nicht einmal gefragt, ob der Angeklagte seinen Glauben verleugnen wolle, er wurde ohne Prozeß einfach eliminiert. Oft wurde er durch eine mächtige Presse diffamiert, oder man inszenierte gewaltige Schauprozesse.
    Es macht betroffen zu sehen, wie sich das Wort Jesu bewahrheitet. Den äußeren Rahmen der Anklagen vergessen wir manchmal, aber das, was die Martyrer mit ihrem Leiden und ihrem Schweigen verkündet haben, daran erinnern wir uns und erfreuen uns der Früchte: der Wert des Lebens, die Würde des zur Gemeinschaft mit Gott und zur Verantwortung vor ihm berufenen Menschen, die Freiheit des Gewissens, die Kritik gegen tragische Verirrungen wie Rassismus, Integralismus, absolute Staatsgewalt, Diskriminierung, Ausbeutung der Armen.

    Es heißt, jede Sache brauche ihre Martyrer, also Menschen, die bis zur Hingabe des eigenen Lebens daran glauben. In gewisser Weise bringt der Glaube auch immer Gewalt mit sich. Jesus lehrt, daß man die Fülle des Lebens erst durch den Tod erlangt. Er selbst gelangt zur Glorie durch das Leiden. Der hl. Paulus sagt, wer die Krone erringen will, muß den Kampf ertragen, und wer ans Ziel gelangen will, muß den Lauf durchstehen - und sich unter Opfern trainieren.
    Heute liegt uns dieser Gedanke nicht so sehr nahe. Es gibt eine Gabe des Hl. Geistes, die uns das verstehen und annehmen hilft: die Stärke. Die brauchen wir alle. Vielleicht will uns niemand wegen unserer religiösen Überzeugung umbringen. Aber es gibt eine ganze christliche Auffassung vom Dasein, die es auszuhalten gilt, es gibt Entscheidungen im Leben, die fordern von uns Eindeutigkeit und Widerstand. Es gibt persönliche Situationen wie Krankheiten, familiäre Bedingungen oder am Arbeitsplatz, die von uns eine tiefe und feste Verwurzelung in der Hoffnung fordern.
    Martyrer sein, das bedeutet berufen sein. Nicht der Richter oder der Henker ist es, der jemanden zum Martyrer, zum großartigen Zeugen macht, sondern der Hl. Geist. Wie jede Berufung bringt auch das Martyrium eine Dimension christlicher Existenz zum Ausdruck, die allen Berufungen gemeinsam ist. In Rom ist das Gedenken der Martyrer vertraut; viele Kirchen halten es lebendig, aber vor allem die Katakomben. Sie berichten von den harten Bedingungen der Christengemeinde in den Verfolgungszeiten, und von den Ereignissen um Christen, die wegen ihres Glaubens unter Anklage gestellt wurden.
    Bilder, Zeichnungen, Inschriften, Sarkophage und Räumlichkeiten sind eine wirkliche Glaubensunterweisung, eine Betrachtung über den Glauben aus den Zeiten der Martyrer: Zeiten, in denen sie eine Minderheit waren, Zeiten von provozierender Sinngebung, Zeiten von Prüfungen, voll Anhänglichkeit und Liebe.
    Das findet sich mancherorts auch heute, aber da findet man nicht immer die intensive, reiche und ausdrückliche meditative Ausrichtung, die uns an den klassischen Orten so beeindruckt.
    Die Voraussetzungen und das, was implizit enthalten ist, das, was eigentlich hinter dem Martyrium steckt, das läßt sich nicht trennen von der Glaubensbildung. Diese ist Quelle der Freude und des Lichts, aber sie ist nicht „billig" erhältlich. Das Wort vom „verborgenen Schatz" im Acker, für den der Käufer alles aufwenden muß, was sein ist - dieses Wort bringt sich hier in Erinnerung.
    Das Martyrium ist eng verbunden mit dem, was dem Evangelium seine Farbe verleiht, seine Kraft, seine Lebensbezogenheit, und das ist die Radikalität. Radikalität meint die innere Kraft, welche das höchst Mögliche anzielt, und sie ist für den Glauben typisch. Sie ist kein Integralismus, also blinde Suche nach dem Zusammenfügen, nach Vereinheitlichung aller nur möglichen äußeren Formen. Radikalität meint auch keinen Maximalismus, der Vorwand ist und Zurschaustellung von Ideen und Voraussetzungen. Radikalismus bedeutet Kenntnis der Wahrheit, Geschmack an ihr, liebevolle Anhänglichkeit an Jesus Christus.
    Johannes Paul II. bezog sich in seiner Rede auf eine Feststellung: unsere Zeit hört eher auf Zeugen als auf „Lehrer". Die Jugend hat "einen Draht" dafür, die Aufforderung zur Radikalität anzunehmen. Bringen wir diesen Draht zum Schwingen!" (Juan Edmundo Vecchi, in: Dire Dio ai giovani, S. 84 - 87).

Benutzte Literatur
  1. Die Abschnitte 1 - 11 sind mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers entnommen aus: Atti dei Martiri, hrsg. von Giuliana Caldarelli, Edizioni Paoline, Neudruck der 2.Aufl. 1996.
  2. Abschnitt 12 aus: Giuseppe Ricciotti, L'Era dei Martiri, Coletti editore, Rom 1953.
  3. Die Vorbemerkung und die Abschnitte 13 - 20 aus: Calogero Riggi, Il messaggio dei primi martiri, Elledici, Turin-Leumann 1978.
  4. „Incarnationis Mysterium", Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 1998, Nr. 13.
  5. „I martiri, testimoni radicali" aus: Juan Edmundo Vecchi, Dire Dio ai giovani, Elledici, Turin-Leumann, 1999.


BackHome PageForward